Flexibilität in der Autorisierung.
Die girocard wird fit für neue Bezahlsituationen. Vorautorisierung, Teilzahlung, Garantien – für mehr Flexibilität bei Buchung, Zahlung und Nutzung -Christopher Kirsch, Direktor Produktmanagement girocard bei der EURO Kartensysteme GmbH gibt Einblicke.

Herr Kirsch, was genau verbirgt sich hinter „Flexibilität in der Autorisierung“ – und warum ist das für die girocard ein wichtiges Thema?
Die girocard ist ein sehr vertrautes und sicheres Zahlungsmittel, das viele Menschen täglich nutzen. Bisher ist sie vor allem für einfache, klar definierte Zahlungsvorgänge gedacht. Doch wenn der genaue Zahlungsbetrag zum Zeitpunkt der Transaktion noch nicht feststeht – oder wenn zunächst eine Anzahlung mit späterer Folgezahlung nötig ist – stößt das System an seine Grenzen. Genau solche Situationen sind heute in einer zunehmend digitalen Zahlungswelt aber alltäglich geworden. Deshalb öffnen wir jetzt das girocard-System für mehr Flexibilität und passen es den neuen Anforderungen an.
Welche Funktionen sind neu und wozu dienen sie?
Es geht zum einen um die Einführung von Serienautorisierungen. Ein praxisnahes Beispiel ist eine Taxifahrt, die über eine App gebucht wird. Sollte die Fahrt am Ende mehr kosten als ursprünglich geschätzt, kann in Abwesenheit des Kunden und ohne erneute Authentifizierung der restliche Betrag nachautorisiert werden.
Außerdem ermöglichen wir Teilzahlungen, wie sie etwa bei Reisebuchungen üblich sind – eine Anzahlung bei Buchung und ein Restbetrag kurz vor Abreise. Auch das war bislang mit der girocard nicht abbildbar.
In welchen Bereichen sehen Sie Bedarf für die Anwendung?
Zunächst klassisch bei Hotel- und Mietwagenbuchungen. Im Mobilitätssektor – etwa bei Fahrservice-Apps oder ÖPNV-Ticket-Apps – gibt es ebenfalls immer mehr Anwendungsfälle, in denen die Zahlung nicht mehr starr an einem festen Betrag hängt.
Wie herausfordernd war die Erweiterung der neuen Anforderungen?
Der Aufwand war hoch, doch der Mehrwert ist es ebenso. Es handelt sich um eine der tiefgreifendsten Weiterentwicklungen des girocard-Systems. Denn die Änderung betrifft nicht nur die technische Infrastruktur des Kartenherausgebers, sondern auch das gesamte Netzwerk der Akzeptanzstellen: Netzbetreiber, Terminalhersteller, Kassensoftware, Händlerprozesse – alle müssen die neuen Funktionen verstehen und unterstützen. Das erforderte naturgemäß eine hohe Abstimmung und präzise Definitionen.
Wie ist der aktuelle Stand?
Die Sparkassen-Finanzgruppe hat bereits im November 2025 die technischen Voraussetzungen geschaffen. Die genossenschaftlichen Banken folgen im Laufe des Jahres 2026. Damit decken wir den Großteil der ausgegebenen Karten ab. Mit weiteren Banken sind wir in Gesprächen.
Auf der Akzeptanzseite sind jetzt vor allem die Netzbetreiber gefragt, aktiv zu werden. Denn überall dort, wo der Handel einen passenden Anwendungsfall sieht – etwa in Hotellerie, Mobilität oder Verleih – braucht es eine technische Umsetzung auf Seiten des Netzbetreibers.
Welche Vorteile ergeben sich?
Für Kundinnen und Kunden wird Bezahlen komfortabler – etwa durch Wegfall erneuter Authentifizierungen innerhalb des vereinbarten Rahmens. Der Handel profitiert von neuen Einsatzmöglichkeiten der girocard, vor allem in Apps und digitalen Prozessen, sowie von längeren Zahlungsgarantien.
Das klingt nach einem echten Wendepunkt für die girocard – würden Sie das so sehen?
Absolut. Wir verlassen das alte Paradigma der klassischen Einmalzahlung. Besonders im App Bereich werden sich künftig viele weitere Einsatzszenarien ergeben. Es ist ein innovativer, strategisch wichtiger Schritt – möglicherweise sogar einer der bedeutendsten seit Einführung des girocard-Systems.
Herr Kirsch, vielen Dank für das Gespräch.

