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09/2022

Wie bezahlen Kinder und Jugendliche heute?

Taschengeld und Paymenttrends in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung. Wie fit sind unsere Zukunftsträger:innen für eine Paymentwelt im Wandel? Und haben Sie auch an die Sicherheit gedacht? Eine Bestandsaufnahme in zwei Teilen.

 

Teil I: Status Quo – Ländervergleich und Marktforschung
Teil II: „Erziehungsthema“ Geld – praktische Aufklärung und kindgerechte Tipps


Teil I: Der Status Quo

Laut Erhebung der Bundesbank haben die Deutschen im vergangenen Jahr 58 % aller Zahlungen in bar getätigt, 2017 waren es noch 74 %. Bargeldloses Bezahlen wird immer populärer. Für Kinder ein Trend mit Hindernissen, den sie als kommende Konsument:innen weiter formen. Quo vadis?


Wird unsere Nachwuchsgeneration gerade abgehängt?

Da ist er wieder, dieser Zettel „Nur Barzahlung möglich“. Er gehört hierzulande zum Zahlteller in Gastronomie, Einzelhandel & Co. wie das Fleisch zum Grill. Sogar in der Finanzhauptstadt hörte man schon Touristen beim Bezahlen zetern: „Das ist ja wie im Mittelalter hier!“. Als erwachsene Bürger:innen müssen wir uns eingestehen, dass unser Bargeldland im Dornröschenschlaf den Wecker nicht länger überhören kann – besonders unseren Kindern zuliebe! Zu oft sind wir mittlerweile auf Reisen, in England und Skandinavien beispielsweise, dem Schild „No cash!“ begegnet. „Was geht ab?“, würden die Kids jetzt sagen.

Planet Erde antwortet: Schweden steht kurz davor, das allererste Land ohne Münzgeld und Scheine zu werden; zur Einschulung bekommt dort jedes Kind übrigens ein Tablet vom Staat geschenkt. In USA, Australien und Südostasien ist die (Kredit-)Karte schon lange Zahlungsmittel Nummer eins. Die Türkei, einer der am stärksten wachsenden E-Commerce Märkte weltweit, verzeichnet bei Kartenzahlungen einen Marktanteil von 59% und eine Durchdringung von 91% fürs Mobile Payment. In Japan, bei den Erfindern des mobilen Internets, ist Mobile Payment für den ÖPNV seit mehr als einem Jahrzehnt etabliert. Dagegen steckt in Deutschland und anderen europäischen Märkten das Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch noch in den Kinderschuhen. Die Welt, für die wir unsere Kinder stark machen sollten, verändert sich rasant. Wie also die richtigen Vorbereitungen treffen?


Wie Taschengeld von Eltern in Deutschland und den Nachbarländern gehandhabt wird

Laut einer britischen Neobank-Studie erhalten 61% der Kinder in Deutschland – ähnlich wie in Frankreich, Italien, Spanien und Irland – Bares als Taschengeld, sogar wenn das Kind bereits über ein Konto verfügt. Ein eigenes Konto mit Karte sei frühestens ab dem 12. Lebensjahr relevant, meint gut die Hälfte aller Eltern hierzulande; ebenso viele denken, Kinder sollten im Alter von 6 bis 10 Jahren mit dem Thema Geld beginnen. Nur in Frankreich startet man damit noch später. Das Gegenteil ist in Skandinavien der Fall; 64% der Kids nutzen ihre eigene Zahlungskarte und das auch schon in jungen Jahren.

Kaum verwundern dürfte die Tatsache, dass mit dem Alter sowohl der Anteil der Kinder, die Taschengeld bekommen, als auch der Betrag steigen; oder dass die Höhe des Taschengeldes im europaweiten Ländervergleich unterschiedlich ausfällt (Spitzenreiter ist Schweden). Erstaunlich sind aber die repräsentativen Zahlen für Mädchen und Jungen deutscher Staatsangehörigkeit zwischen 3 und 13 Jahren, die das Marktforschungsinstitut forsa mit dem „Kids-Medien-Kompass 2022“ vorlegt: Bereits 9% der Dreijährigen verfügen über ein monatliches Budget, bei 13-Jährigen sind es 84%. Eltern mit einem höheren Haushalts-Netto-Einkommen vergeben das kleinste Taschengeld. In Thüringen und Sachsen werden Kinder am großzügigsten ausgestattet, in Baden-Württemberg am sparsamsten.


Zieht sich das Gender-Pay-Gap schon durch die komplette Kindheit?

2021 betrug das Taschengeld laut „Kids-Medien-Kompass“ im Monatsdurchschnitt für Jungen zwischen 4 und 13 Jahren 15,34 Euro und 13,76 Euro für Mädchen – das sind etwa 11,5% Differenz. Das Nachrichtenmagazin Focus schrieb dazu Ende Januar 2022, dieser Unterschied bestünde auch in den darauffolgenden Altersgruppen stetig weiter. Im August verkündeten nun Volks- und Raiffeisenbanken unter Berufung auf den „Kids-Medien-Kompass 2022“ pauschal, die Gleichstellung sei erreicht; im Kleingedruckten wird jedoch ersichtlich, dass Mädchen in zwei der drei Altersgruppen immer noch schlechter gestellt sind.

 

Teil II: Das „Erziehungsthema“ Geld

Eltern sind beim „Erziehungsthema“ Geld mehr denn je gefordert. Etwa ein Drittel nimmt die finanzielle Bildung der Kinder heute sogar noch wichtiger als vor der Pandemie. Ungefähr 20 % nutzen dafür mittlerweile digitale Tools und Apps. 69% haben auch ein extra Sparkonto für ihre Kinder angelegt.


„Wie kann ich meinem Kind einen „gesunden“ Umgang mit Geld vermitteln?“

In der Alltagspraxis können Sie sich zunächst einmal die wichtigsten Themen für Kinder und Teenager bewusst machen: Was Münzen und Scheine an Gegenwert bedeuten, lernen die Kleinen mit ihrer Kindergeldbörse. Mit Extra-Belohnungen fürs Mithelfen kann man die Relation von Einnahmen und Ausgaben vermitteln. Vom Zurückhalten und Sparschwein-Füttern bis zu echten Sparkenntnissen führt der Weg dann schon über Zinsvergleiche. Bis dann Erkenntnisse mit Investitionen folgen oder auch der Umgang mit Schulden.

Pädagogisch ratsam: Beziehen Sie den Nachwuchs in Ihre Themen kreativ und respektvoll mit ein und achten Sie auf Ihre Vorbildfunktion. Nehmen Sie sich Zeit und nutzen Sie die Vorlieben Ihres Kindes, um darüber Lernstoff anzubringen. Ein YouTube-Video kann mal helfen, doch die besten Lehrer:innen sind Kooperation, Motivation, Neugierde und Spaß. Pubertäre Null-Bock-Phasen gehen vorüber. Wenn es komplizierter wird, wünschen sich junge Erwachsene durchaus mehr Unterstützung, auch von unserem Schulsystem. Befragte im Alter von 14 bis 24 geben ihre Bildungsdefizite bei Wirtschafts- und Finanzfragen einsichtig zu.


Kartensicherheit ist für Kinder und Eltern genauso wichtig

Spätestens wenn die Kids alleine einkaufen, sollten auch die Eltern alles richtig machen. Im stationären Handel haben Sie vielleicht schon mal gemeinsam spielerisch die Kontaktlos-Karte ans Terminal gehalten. Solange aber ein Kind mit PIN und Karte noch nicht verantwortungsvoll umgehen kann, darf es auch nur mit Bargeld einkaufen!

Eltern gehen mit gutem Beispiel voran, nicht wahr? Leben Sie den richtigen Umgang mit PIN und Karte vor! Höchste Priorität hat das absolute No-go, die PIN als Notiz mitzuführen! Merkhilfen für Ihre Zahlenkombination erhalten Sie auf www.pin-im-sinn.de. Erklären Sie auch, warum Sie das PIN-Pad beim Eintippen gegen fremde Blicke abschirmen. Oder dass Sie die Karte, sprich Geldbeutel bzw. Smartphone, keinesfalls im Auto oder Einkaufskorb ablegen, wo sie als sichtlich verlockende Beute Langfinger provozieren würde. Mit Ihrer eigenen Vorsicht trainieren Sie für beide Generationen. Wie bemerkt ein Kind beispielsweise, dass es jemand mit einer Lügengeschichte zu manipulieren versucht, um an Karte und Geheimzahl zu gelangen? Oft genug fallen Kartenbesitzer:innen auf skrupellose Trickbetrüger:innen herein, deshalb verpflichten sie die Geschäftsbedingungen von Banken und Sparkassen auch dazu, Kindern die elterliche Karte nicht zu überlassen. Sonst hieße es „Eltern haften für ihre Kinder!“.
Und falls Sie sich jetzt fragen, wie das die Schweden ab nächstem Jahr hinbekommen: Dort haben alle Banken des Landes gemeinsam eine sichere Plattform geschaffen, mit der Klein und Groß per Smartphone zahlen.


Wie Minderjährige im Internet sicher shoppen

Videospiele, Musik und Mode wollen sich die Kinder online holen. Doch eine Kreditkarte gibt es erst ab 18 Jahren, ein Paypal-Konto können Minderjährige auch nicht eröffnen.

Die aktuelle Lösung sind Prepaid-Karten. Sie ersetzen im Online-Bezahlvorgang die Kreditkarte der Erwachsenen. Für das Kind wird der Konsum limitiert und das Haushalten mit Budgets zum selbstverständlichen Training; gleichzeitig können die Eltern den Überblick behalten. Erhältlich sind solche Guthabenkarten meist in Drogerie-, Elektronik- und Supermärkten; auch bei verschiedenen Banken und Online-Anbietern gibt es Karten nach dem Gutschein-Prinzip, deren Wert Sie gegen Bares oder Überweisung aufladen können.


Das Girokonto für Kinder und Jugendliche hat Marktpotenzial

Sparkonten für Kids bieten fast alle Banken und Sparkassen an, Girokonten oder Kreditkarten für Jugendliche eher nicht. Als Voraussetzungsbedingung müssen die Eltern dort ebenfalls ein Konto eröffnet haben. Eine Übersicht von Kontoangeboten mit Möglichkeiten für Minderjährige finden Sie hier und eine Vergleichsliste von Kreditkarten für Jugendliche und Kinder hier.


Quellen

https://paymentandbanking.com/laenderserie-wie-zahlt-die-welt/

https://www.focus.de/finanzen/gelderziehung-fuer-den-nachwuchs-kinder-und-kohle-so-wird-in-deutschland-und-europa-mit-taschengeld-umgegangen_id_25129137.html

https://www.jugend-und-finanzen.de/Alle/Aktuelles/Kids-Medien-Kompass-2022-Maedchen-und-Jungen-beim-Taschengeld-gleichgestellt


https://www.wirtschaftswerkstatt.de/Content/500/Themen/Finanzen/Die_bargeldlose_Zukunft_fuer_Kinder_und_Jugendliche.html