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Artikel 2021

03/2022

Können Smartphone, Handyhülle oder 5G Ihren Bankkarten schaden?

Drei populäre Irrtümer rund um die Zahlungskarten im Faktencheck. Das Gerücht, dass Magnete oder Funkverbindungen für Ihre Debit- und Kreditkarten gefährlich wären, haben Sie vielleicht auch schon mal gehört. Was ist Wahres dran?

 

kartensicherheit.de entlarvt Mythen des Alltags für Sie.

Bankkarten halten eine Menge aus, von roher Gewalt wie Knicken oder Verkratzen des Chips freilich abgesehen. Hitze, Wasser, leichtes Verbiegen in der Gesäßtasche, sogar Magnetismus können ihnen nichts anhaben. Doch hier, bei den physikalischen Wellen, beginnt die Grauzone für viele. Wer zum Beispiel glaubt, Bankkarten sollten Smartphones nicht zu nahekommen, macht sich unnötig das Leben schwer.

Irrtum Nr. 1: Das Smartphone kann Bankkarten beschädigen.
Richtig ist: Ein Smartphone kann Debit- und Kreditkarten nichts tun. Sie dicht beieinander aufzubewahren, stellt keine Gefährdung dar. Diese Regel gilt für alle regulär im Handel zu erwerbenden Mobilgeräte.

Irrtum Nr. 2: Magnetisches Handy-Zubehör kann den Magnetstreifen der Karte ruinieren.
Richtig ist: Handy-Hüllen, -Halterungen, Ring Mounts, -Taschen, -Clutches oder auch Kartenhalter fürs Smartphone enthalten oftmals Magnete. Diese Angebotsvielfalt lässt bereits erahnen, dass solches Zubehör – auch schon im Interesse der Anbieter – nur schwach magnetisiert ist. Zu gering, um Magnetstreifen von Bankkarten beeinträchtigen zu können.

Irrtum Nr. 3: Funkverbindungen wie 5G können die Karte stören.
Richtig ist: Egal ob LTE, 4G oder 5G – weder in bestehenden Netzen noch zukünftigen Funkstandards können mobile Verbindungen Ihren Bankkarten etwas anhaben.


Wie sind diese Alltagsmythen um Bankkarten entstanden?

Manche verbreiteten Sicherheitsirrtümer sind „geerbt“. Aus früheren Zeiten haben einige Leute missliche Situationen noch im Kopf. Damals, als die Bankkarten über Magnetstreifen Informationen austauschten, gab es tatsächlich Probleme, wenn sie in störende Felder gelangten. Doch diese Technik ist längst überholt! In Deutschland jedenfalls.


Welche Neuerungen schützen die Karten heute?

Die Zahlungskarten der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) sind sogenannte HiCo-Karten. Im High Coercivity Verfahren werden Sie schon seit rund einem Jahrzehnt mit wesentlich stärker magnetisierten Streifen produziert. Daher kann zum Beispiel auch das schwach magnetisierte Handy-Zubehör Ihren Bankkarten nichts anhaben. Und selbst wenn der Magnetstreifen doch irgendwie gelöscht würde, hätten Verbraucher nichts zu befürchten.

Der Magnetstreifen spielt keine Rolle mehr bei Zahlungen oder Abhebungen innerhalb Europas und im Großteil der außereuropäischen Länder Dafür ist der Chip auf der Karte zuständig. Seit 2011 werden nur noch Karten mit fälschungssicherer EMV-Chip-Technologie von der DK herausgegeben; damals galt es, dem Skimming – dem betrügerischen Daten-Auslesen und Kopieren von Magnetstreifen – die Basis zu entziehen.

Wozu unsere Bankkarten dann noch einen Magnetstreifen tragen? Für Ihren Reisekomfort: Außerhalb Europas gibt es Länder, in denen noch nicht alle Geldautomaten und Terminals zur Kartenzahlung auf die Chip-Technik umgestellt sind. Dazu gehören im Wesentlichen die USA, Indonesien und Indien.


Was ist das High Coercivity Verfahren?

Koerzitivität oder auch Koerzitivfeldstärke ist ein Maß für den Umfang der magnetischen Kraft, die notwendig ist, um die Magnetisierung ferromagnetischer Materialien umzukehren. Je höher die Koerzitivität, desto besser behält ein Magnet seine Magnetisierung, wenn er einem Gegenfeld ausgesetzt wird.

Magnetstreifenkarten, die mit einem Metalloxid von hoher Koerzitivfeldstärke beschichtet sind, sind also mit einem stärkeren Magnetfeld codiert und können mit entsprechender magnetischer Flussdichte beschrieben werden. HiCo-Karten haben eine längere Lebensdauer. Sie sind nicht nur für Anwendungen besser geeignet, bei denen sie häufig durch elektronische Lesegeräte gezogen werden. Ein versehentliches Löschen ihrer codierten Daten ist nahezu ausgeschlossen, wenn sie einem äußeren Magnetfeld ausgesetzt werden. Änderungen sind mit Magnetköpfen handelsüblicher Art nicht möglich.

 

Quellen:
https://www.identible.de/glossar/hico.html
https://magnet.tips/lexikon/koerzitivitaet/
https://www.magnet-shop.net/lexikon/koerzitivfeldstaerke
https://de.wikipedia.org/wiki/Magnetstreifen