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26.07.2018

Skimming im Urlaub – nein danke!

Wissenswertes zu Ihrem Schutz vor dem Karten-Datenklau. Damit Betrüger nicht zu Ihren Lasten shoppen oder Ihr Konto abräumen können.

Die wertvollsten Wochen des Jahres kann ein Skimming-Angriff gründlich verderben. Vor allem im Ausland und in der deutschen Hauptstadt ist das Risiko groß, Opfer von Skimming-Betrügern zu werden.

Der USA-Urlaub hätte so schön werden können. Wäre da nicht dieser eine Geldautomat gewesen. Irgendwie wirkte das Eingabefeld schon seltsam, die Tasten zu drücken, fühlte sich schwergängig an. „Wohl anders als in Deutschland", so wischt man dann Bedenken weg. Ein paar Tage später ging nichts mehr. Bis ans Limit war die Karte von den Skimming-Gaunern belastet worden ...

2018 hat das Skimming wieder Hochkonjunktur. Die neuesten Halbjahreszahlen des Debit Schadensberichtes der EURO Kartensysteme bestätigen damit auch das Bundeslagebild des BKA für 2017, das im April dieses Jahres veröffentlicht worden ist und diese Entwicklung angekündigt hat.

Das offizielle BKA Lagebild können Sie hier gerne herunterladen.

Was ist Skimming?
Der englische Begriff to skim bedeutet „absahnen", „abschöpfen" oder „auslesen". Genauso bezeichnet Skimming das illegale, betrügerisch motivierte Auslesen von Daten, die in Debit- und Kreditkarten gespeichert sind. Die Daten werden von den ungeschützten Magnetstreifen ausgelesen und auf gefälschte Karten, so genannte „white plastics" kopiert. Die Kartenfälschungen werden dann von den Betrügern zum Geldabheben (und manchmal auch zum Bezahlen) eingesetzt – zulasten der rechtmäßigen Karteninhaber. Immer wird gleichzeitig versucht, auch die PIN auszuspähen, was oftmals gelingt.

Wie gehen die Täter vor?
Skimming geschieht von den Opfern unbemerkt. Sie stehen zum Beispiel am Geldautomaten und heben Bares ab, wie immer. Was Sie nicht wissen: Der Automat wurde „getunt" mit kriminellem Zubehör wie beispielsweise einem im Inneren des Karteneinzugschachtes eingebrachten Skimmers und einer Mini-Kamera zum Ausspähen der PIN. Auch der Karten-gesteuerte Türöffner könnte manipuliert sein. So gut wie ausgestorben ist dagegen die Betrügermasche, die Karte z.B. im Restaurant oder unterm Ladentisch zusätzlich durch ein zweites Lesegerät zu ziehen, um die Daten zu skimmen.

Skimming-Blocker
Die zunehmende Ausstattung der deutschen Geldautomaten mit wirksamen Anti-Skimming-Modulen (mechanisch und elektronisch) erschwert der Täterseite das Skimmen der Kartendaten. Gleichzeitig passen die Täter ihre Angriffe den technischen Änderungen entsprechend an bzw. entwickeln neue Vorgehensweisen. Speziell entwickelte Tools ermöglichen auch technisch nicht versierten Tätern Manipulationen an Geldautomaten. Das BKA rechnet mit steigenden Fallzahlen.

EMV-Technologie schützt bereits
Auf einem EMV-Karten-Chip sind die Daten verschlüsselt hinterlegt, die zur Autorisierung einer Transaktion notwendig sind. Das Skimming funktioniert deshalb nicht, weil noch keine Kopie des EMV-Chips angefertigt werden konnte und das Ausspähen der PIN allein nicht für den Kontozugriff ausreicht.

Der aktuelle Anstieg von Skimming kann angesichts der weltweiten Zunahme von EMV-Chips auf Zahlungskarten verwundern. Seit 2011 werden innerhalb des SEPA-Raumes alle Kartenzahlungen mittels EMV-Chip autorisiert. Da einige Geldautomaten im Ausland jedoch noch nicht für EMV-Chips ausgelegt sind, enthalten viele Zahlungskarten weiterhin einen Magnetstreifen, selbst wenn sie einen Chip tragen. Dort, wo noch keine EMV-Technologie verbreitet ist, werden geskimmte Karten, ob deutscher oder anderer Herkunft, sehr häufig eingesetzt.

Wo kommt das ganze Skimming her?
Schon für 2017 wurde ein Anstieg der Skimming-Fälle vom BKA verzeichnet. In Deutschland wurden 499 Fälle von technischen Manipulationen von Geldautomaten zur Erlangung von Kartendaten registriert (35% mehr gegenüber dem Vorjahr). Eindeutiger Skimming-Brennpunkt ist Berlin. Erklärbar durch die hohe Anzahl ausländischer, insbesondere außereuropäischer Touristen, deren Zahlungskarten teilweise noch nicht mit EMV-Chip ausgestattet sind, und die daher attraktiv für Täter sind. Der Schaden zum Nachteil deutscher Kreditinstitute ist 2017 um 15% auf 2,2 Mio. Euro gestiegen.

Seit Transaktionen mit Zahlungskarten im SEPA-Raum nicht mehr über den Magnetstreifen, sondern über den EMV-Chip autorisiert werden, weichen die Täter auch gezwungenermaßen auf „Nicht-Chip-Länder" aus, wo die Kartendubletten mit Magnetstreifen noch funktionieren. Schwerpunkte 2017 waren Indonesien, USA, Indien, Australien und Nepal; daneben Mittel- und Südamerika sowie Südostasien.

Fünf Tipps zu Ihrem Schutz

  1. Schauen Sie sich den Geldautomaten vor Ihnen genau an. Könnte am Karten-Schacht oder Tastenfeld ein fremder Aufsatz angebracht worden sein? Vergleichen Sie das Erscheinungsbild mit den Geldautomaten nebenan. Sind Sie unsicher, nutzen Sie lieber einen anderen Geldautomaten.
  2. Lassen Sie Ihre Zahlungskarte keine Sekunde aus den Augen, sobald Sie sie aus der Tasche geholt haben. Geben Sie dem Kassierer keine Chance, mit Ihrer Karte verdeckt ein illegales Auslesen der Kartendaten zu bewerkstelligen.
  3. Bewahren Sie Ihre PIN niemals als Notiz auf, erst recht nicht zusammen mit Ihrer Zahlungskarte, so dass Dieben der Kontozugang spielend leicht offensteht. Auch das Speichern der PIN im Handy ist fahrlässig und kann Sie um den Schadensersatz bringen.
  4. Lassen Sie sich bei der PIN-Eingabe nicht über die Schulter schauen, weder vom Hintermann, noch von eventuellen Kameras über Ihnen. Decken Sie das Tastenfeld des Geldautomaten gut mit der anderen Hand und zusätzlich noch mit Kontoauszügen o.ä. ab, während Sie ihn bedienen.
  5. Verreisen Sie nicht, ohne sich zuvor den SOS-Infopass und die Sperr-App heruntergeladen bzw. ausgedruckt und ausgefüllt zu haben. Am besten gleich hier downloaden.

Was tun im Falle einer Skimming Falle?
Bis man einen Skimming-Angriff entdeckt, vergeht meist einige Zeit. Der Schreck ist groß, wenn der Geschädigte seine Kontoauszüge abholt bzw. einsieht, oder wenn die Bank oder Sparkasse sich meldet, weil der Dispo überzogen ist.

Haben Sie den Verdacht, die Daten Ihrer Zahlungskarte könnten gestohlen worden sein? Lassen Sie Ihre Karte sperren! Wählen Sie den Sperr-Notruf 116 116. Aus dem Ausland erreichbar über die jeweilige Landesvorwahl für Deutschland, meist +49 116 116. Näheres unter www.sperr-notruf.de.




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