06/2026

Wenn Kriminelle Familie spielen.

Social Engineering trifft ins Herz und setzt auf Emotionen statt Fakten. Wer die Betrugsmaschen erkennt, kann besser darauf reagieren und sich schützen.

Bild von vielen verschiedenen schwarten Masken

Vertrauen verbindet Menschen, natürlich auch innerhalb der Familie. Wenn ein nahestehender Mensch dringend Hilfe braucht, handeln viele sofort und fragen erst später nach. Genau das machen sich Kriminelle mit Social-Engineering-Methoden zunutze. Mit psychologischen Tricks schlüpfen sie in die Rolle von Kindern, Enkelkindern oder anderen Angehörigen. Sie setzen darauf, dass die Sorge um die Liebsten das analytische Denken blockiert und eine unüberlegte Reaktion auslöst. Das Ziel ist immer dasselbe: Vertrauen erschleichen, um an Geld, sensible Daten oder Wertsachen zu gelangen.

Betrug per WhatsApp und SMS
„Hallo Mama, das ist meine neue Nummer, mein Handy ist kaputt.“ So oder ähnlich beginnen viele Betrugsversuche. Nach einigen harmlosen Nachrichten folgt die Bitte um Geld, meist für eine dringende Rechnung oder weil angeblich kein Zugriff auf das eigene Konto möglich ist.

Schockanruf
Kriminelle geben sich am Telefon als Polizei oder Staatsanwaltschaft aus und inszenieren eine dramatische Geschichte. Ein Familienmitglied sei in einen schweren Unfall verwickelt oder befinde sich in einer anderen akuten Notlage. Nur eine sofortige Zahlung könne helfen. Emotionaler Druck ist Teil der Masche, denn wer unter Stress steht, hinterfragt weniger kritisch. Durch sogenanntes Caller-ID-Spoofing können sogar echte Behördennummern im Display vorgetäuscht werden.

Enkeltrick
Beim Enkeltrick spielen Kriminelle die Rolle einer nahestehenden Person, mit Fragen wie „Rate mal, wer dran ist?“. Ein finanzieller Engpass oder eine andere Notlage wird vorgetäuscht, um Betroffene zu schnellen Überweisungen oder Bargeldübergaben zu drängen.

Vertraute Stimme
Zunehmend imitieren Kriminelle Stimmen mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Schon kurze Sprachsequenzen aus Sprachnachrichten oder Social Media-Videos reichen aus, um eine vertraute Stimme täuschend echt nachzubilden. Eine bekannte Stimme am Telefon ist daher leider kein verlässliches Erkennungsmerkmal mehr.

Ruhe bewahren, richtig reagieren
• Bei Zeitdruck, dubiosen Geschichten oder Geldforderungen das Gespräch sofort beenden.
• Angehörige oder Institutionen unter der altbekannten Nummer kontaktieren und den Sachverhalt persönlich verifizieren.
• Passwörter, PINs, TANs oder Kontodaten niemals weitergeben.
• Wurden persönliche Informationen weitergegeben, umgehend den Sperr-Notruf 116 116* anrufen oder die kostenfreie SperrApp nutzen, um Zahlungskarten und Konten zu sperren.
• Jeden Betrugsversuch bei der Polizei melden.

Familien-Codewort
Kriminelle können Telefonnummern fälschen, Nachrichten manipulieren und inzwischen sogar Stimmen imitieren. An echtem Insider-Wissen scheitern sie jedoch. Ein vereinbartes Familien-Codewort kann deshalb zusätzlichen Schutz bieten. Das kann ein Wort oder eine Frage sein, deren Antwort nur Angehörige kennen; etwa der Name des ersten Haustiers, eine gemeinsame Urlaubserinnerung oder ein anderes persönliches Detail. Wer das Codewort im Ernstfall nicht kennt, ist nicht die Person, für die sie sich ausgibt.

Die österreichische Aufklärungskampagne „Phishen Impossible" inszeniert Betrugsmaschen auf humorvolle Art und hat auch ein fiktives Familienbeispiel. Tipp: Im Familien- oder Freundeskreis anschauen und ins Gespräch kommen.

Denn der Austausch im engsten Kreis kann viel bewirken. Gespräche über aktuelle Betrugsmaschen schaffen Bewusstsein und helfen Jung wie Alt, verdächtige Situationen besser einzuschätzen und besonnen zu reagieren.