02/2026

Vorsicht: Anlagebetrug via Messenger.

Manipulative Maschen auf WhatsApp & Co. Kriminelle überlisten Menschen statt Technik. So lässt sich die Täuschung rechtzeitig erkennen.

Während technische Sicherheitssysteme immer schwerer zu überwinden sind, rückt ein anderes Ziel in den Fokus: der Mensch. Unter dem Begriff Social Engineering nutzen Kriminelle menschliche Impulse wie Hilfsbereitschaft, Neugier oder die Hoffnung auf Erfolg aus. Durch falsche Identitäten, geschickte Gesprächsführung und emotionalen Druck bauen sie Vertrauen auf, um Sicherheitsregeln außer Kraft zu setzen. Diese psychologische Manipulation macht auch die folgende aktuelle Masche so wirkungsvoll wie perfide.

Warnung vor falschen Finanz-Profis
Anlagebetrug über Messenger-Dienste ist derzeit weit verbreitet; auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt öffentlich davor. Über WhatsApp oder Telegram werden Betroffene in vermeintlich exklusive Gruppen gelockt. Dort werden professionelle Beratung und außergewöhnliche Renditen versprochen. Um Seriosität vorzutäuschen, nutzen die Tätergruppen häufig den Deckmantel bekannter Finanzinstitute, realer Fachleute oder eigens erfundener „Akademien“. Meist wird der Betrug erst erkannt, wenn es zu spät ist.

Ein typischer Fall in fünf Akten
I. Akt: Die Einladung
Alles beginnt mit einer Nachricht: freundlich, unverbindlich, oft scheinbar von einem bekannten Kontakt. Die Einladung in eine „Lerngruppe“ oder einen Börsenchat wirkt harmlos und genau das macht den Einstieg so gefährlich.

II. Akt: Die Inszenierung
In der Gruppe herrscht reges Treiben. Ein Moderator analysiert die Märkte, eine Assistentin hilft bei Fragen, andere Mitglieder berichten euphorisch von ihren Gewinnen. Doch die Profile sind Teil einer künstlichen Inszenierung, um Vertrauen aufzubauen.

III. Akt: Die Vertrauensfalle
Erste Schritte erfolgen über bekannte Aktien im eigenen Depot. Dann folgt der Wechsel auf eine vermeintlich „exklusive“ Plattform. Um letzte Zweifel zu zerstreuen, werden kleine Gewinne tatsächlich ausgezahlt. Das Vertrauen ist gewonnen.

IV. Akt: Der Totalverlust
Für die „große Chance“ werden nun höhere Summen gefordert, meist über Kryptowährung. Bei Auszahlungswünschen folgen Ausreden: Steuern oder Gebühren seien fällig. Dann bricht der Kontakt ab. Das Geld ist verloren und mit ihm die Kontrolle über persönliche Daten. Die zur „Verifizierung“ hochgeladenen Ausweiskopien nutzen Täterinnen und Täter nun häufig für weiteren Identitätsmissbrauch.

V. Akt: Der doppelte Betrug
Wo Verzweiflung herrscht, setzen die Kriminellen erneut an. Monate später melden sich angebliche Ermittlungsbehörden, die versprechen, das Geld gegen eine „Vorab-Gebühr“ zurückzuholen. Wer zahlt, verliert ein zweites Mal.

Warum das so gut funktioniert
Messenger-Dienste wirken privat und vertraut. Während bei E-Mails oft Vorsicht gegenüber Spam herrscht, ist die Hemmschwelle am Smartphone meist niedriger. Kriminelle nutzen diese Nähe, um über Wochen eine persönliche Bindung aufzubauen, schrittweise Druck zu erzeugen und rationale Zweifel zu zerstreuen.

Typische Warnsignale: Kritische Momente rechtzeitig erkennen

  • Seriöse Finanzdienstleister senden niemals unaufgefordert Anlagetipps via Messenger.
  • Versprechen von „exklusiven Geheimtipps“ oder „einmaligen Renditechancen“ dienen meist als Köder.
  • Wenn zu schnellen Entscheidungen oder Überweisungen gedrängt wird, ist das ein klassisches Merkmal von Manipulation.
  • Misstrauen ist geboten, wenn Apps oder Plattformen abseits der offiziellen Stores installiert werden sollen.
  • Forderungen nach Einzahlungen in Kryptowährungen auf private Wallets sind meist ein Zeichen für Betrug.

Effektive Vorsorge: Schränken Sie Gruppen-Einladungen in den App-Einstellungen auf Ihre eigenen Kontakte ein. Nutzen Sie die BaFin-Unternehmensdatenbank oder den „Fake-Check Geldanlage“ der Verbraucherzentrale, um Angebote zu prüfen. Im Verdachtsfall ist die Polizei der richtige Ansprechpartner.

Gesundes Misstrauen gegenüber verlockenden Versprechen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der wichtigste Schutz. Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist Vorsicht ratsamer als die Hoffnung auf schnelles Geld. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl, um Ihr Vermögen und Ihre Identität zu schützen!