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12/2020

Die Hüterin des Euro ... oder: Was macht die EZB eigentlich genau?

Steckbrief, Stellung, Aufgaben und Instrumente der Europäischen Zentralbank. Sie soll auch in Krisenzeiten den Wert unserer Währung sichern. Sie beeinflusst das Leben praktisch aller EU-Bürger ... Wie steht es da um Ihr Wissen zur EZB? 

 

Alle Jahre wieder kommt die Zeit der wirtschaftlichen Prognosen. Wer für 2021 fundiert mitreden möchte, kommt um die Europäische Zentralbank kaum herum. Frischen Sie Ihre Kenntnisse mit kartensicherheit.de auf – Teil drei unserer Portrait-Serie „Institutionen der öffentlichen Verwaltung im Dienste der Zahlungssicherheit“.


Steckbrief Europäische Zentralbank

Sitz: Frankfurt am Main
Gründung: 1998
Gründer: Europäische Gemeinschaften
Rang: Europäische Währungsbehörde
Tochtergesellschaft: Regierungsrat der Europäischen Zentralbank
Präsidenten: Christine Lagarde, Luis de Guindos, Philip R. Lane
Mitarbeiter: ca. 3.500


Stellung, Teil I: Die Bank der Banken im Euroraum

Die EZB ist allen anderen Banken im Euroraum übergeordnet. Dabei war ihre heutige Machtfülle bei ihrer Gründung gar nicht vorgesehen. Doch gleichzeitig mit der vielfältigen Konsolidierung Europas hat sich auch die Rolle der EZB weiterentwickelt.

Am Anfang war die Idee eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes mit einer einheitlichen Währung. Bundeskanzler Helmut Schmidt und sein französischer Amtskollege brachten das Europäische Währungssystem in den Siebziger Jahren auf den Weg. Damals musste man noch bei jedem Nachbarn anders bezahlen, in Francs, Lira, Drachmen, Peseten etc. Um anstelle der unterschiedlichen Nationalwährungen eine Gemeinschaftswährung zu etablieren, brauchten die Mitgliedsstaaten der Europäische Währungsunion eine gemeinsame Währungsbehörde: die Europäische Zentralbank. Sie verwaltet aber nicht nur unsere Gemeinschaftswährung.

Ein gemeinsames Zahlungsmittel setzt eine gemeinsame Geldpolitik voraus. Auch wenn die Europäische Zentralbank politisch und kommerziell unabhängig ist, ist sie doch ein zentrales Organ der EU und muss Rechenschaft vor dem Europäischen Parlament für ihr Handeln ablegen.


Stellung, Teil II: 19 Länder, ein Bankensystem

Jedes Land, in dem die Euro-Währung gilt, hat auch eine nationale Zentralbank (NZB). Bei uns ist das die Deutsche Bundesbank. Gemeinsam mit der Banque de France, Banco de España, Banca d’Italia und 15 weiteren Nationalbanken der EU-Staaten bilden sie das Europäische Zentralbanken-System, an dessen Spitze die EZB steht. Es ist aufgebaut wie eine Pyramide. Alle 19 Nationalbanken haben bei der EZB ein Konto, und nur Banken können dort Geld leihen oder anlegen. Alle anderen Banken im Euro-Raum, die jeweils ihrer Nationalbank unterstehen, sind gleichzeitig auch der EZB untergeordnet.

Die Eurozone gilt für rund 340 Millionen Menschen und bildet den drittgrößten Wirtschaftsraum der Welt, neben dem im November neu geschlossenen Verbund der asiatisch-pazifischen RCEP-Staaten und den USA. Gleichzeitig hat der Euro den Dollar als meist genutztes Zahlungsmittel erstmals seit 2013 im Oktober 2020 abgelöst.

 

Aufgabenbereich I: Steuerung der Geldmenge und Preisstabilität

Die Europäische Zentralbank verwaltet unsere Währung im Auftrag der EU. Dabei kommt der EZB die zentrale Funktion zu, die Geldmenge zu steuern, die in der Eurozone in Umlauf ist. Diese Steuerung bestimmt über Inflation und Deflation. Eine enorme Herausforderung, bedenkt man die großen Unterschiede der 19 EU-Mitglieder in ihrer wirtschaftlichen Lage. Früher kontrollierte jede Nationalbank und jedes Land „nur“ die eigene Menge Münzen und Scheine in Landeswährung – heute achtet die EZB für alle 19 Staaten darauf.

Wichtigste Aufgabe der Europäischen Zentralbank ist es, die Stabilität der europäischen Währung zu gewährleisten. Was für den einzelnen EU-Bürger vorrangig bei der Preissteigerung für alltägliche Waren zutage tritt. Ein leichter jährlicher Preisanstieg unter 2 % entspricht dabei der Preisstabilität, mit der die EZB gleichzeitig auf ein Wirtschaftswachstum abzielt.

Nur die EZB hat das Recht, die Ausgabe von Banknoten im Euroraum zu genehmigen. Sie verwaltet die Währungsreserven der Euroländer, kauft und verkauft Währungen, um Wechselkurse im Gleichgewicht zu halten, erstellt Zentralbankbilanzen und Statistiken und fördert ein reibungsloses Funktionieren der Zahlungssysteme.


Aufgabenbereich II: Unterstützung der EU-Wirtschaftspolitik

Neben einer stabilen Währung ist die nachhaltige Entwicklung Europas ein weiteres Hauptziel der EZB. Dazu gehören, über die Preisstabilität hinaus, auch ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum sowie eine – in hohem Maße wettbewerbsfähige – soziale Marktwirtschaft, die auf Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt ausgerichtet ist.

Die EZB verfügt hier über drei wesentliche Instrumente:

  • 1. Leitzinsen und Einlagezinsen für Geschäftsbanken
    Leitzinsen haben indirekte Auswirkungen auf höhere oder niedrigere Kreditzinsen der Verbraucher und damit auf das volkswirtschaftliche Klima – eine lockere Geldpolitik mit niedrigen Leitzinsen fördert die Investitionsbereitschaft und Wirtschaft.
    Einlagezinsen für Geschäftsbanken sind eine Art Strafzinsen für Geld, das bei der EZB angelegt und nicht in die Wirtschaft geleitet wird.
  • 2. Mindestreserven
    Das sind bei den Nationalbanken hinterlegte Sicherheiten, die Geschäftsbanken anteilig von dem Kapital, das bei ihnen angelegt wird, zu leisten haben. Mit einer Erhöhung verknappt die EZB Geld zu seiner Wertsteigerung.
  • 3. Offenmarktgeschäfte
    Es handelt sich dabei um Anleihekäufe zur Stabilisierung bei schweren Krisen – in Form von Staatsanleihen umstritten, da die EZB Staaten nicht direkt finanzieren darf. Mit frischem Geld soll die Wirtschaft angekurbelt werden. In diese Kategorie gehört auch das 1,35 Billionen Euro schwere Pandemie-Anleihenkaufprogramm PEPP.


Aufgabenbereich III: Bankenaufsicht

Nach der europäischen Bankenkrise erhielt die EZB 2014 die Aufgabe, alle Banken in der gesamten EU zu kontrollieren; damit sollte für die Zukunft vermieden werden, dass Banken nochmals mit Steuergeldern gestützt werden. Die EZB verantwortet die Aufsicht über Kreditinstitute, die entweder im Euro-Währungsgebiet ansässig sind oder in teilnehmenden Mitgliedsstaaten, die nicht dem Euro-Währungsgebiet angehören.


Quellen:

https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/themen/studie-untersucht-auswirkungen-der-pandemie-auf-konsumabsichten-und-erwartungen-privater-haushalte-849922

https://www.ecb.europa.eu/home/html/index.en.html

https://www.hanseaticbank.de/klarmacher/wissen/aufgaben-und-ziele-der-ezb-einfach-erklaert

https://www.dw.com/de/einfach-erkl%C3%A4rt-wie-funktioniert-die-ezb/av-50663469

https://www.dw.com/de/china-und-14-asien-pazifik-staaten-schlie%C3%9Fen-weltgr%C3%B6%C3%9Ften-freihandelspakt/a-55604952

https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/devisen-euro-wird-meist-genutztes-zahlungsmittel/26643852.html

https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/ezb-lagarde-praezisiert-hinweise-auf-weitere-geldpolitische-massnahmen-und-mahnt-corona-hilfen-an/26638986.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Zentralbank