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Fahrlässigkeit des Karteninhabers

Es handelt sich um eine grobe Sorgfaltspflichtverletzung, wenn der Karteninhaber seine Kreditkarte in einem Fahrzeug zur ...

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Sonstige

Gerichtsurteile

Die ec-Karte/girocard muss auch im Urlaub sorgsam verwahrt werden

Karteninhaber haften für Schäden selbst, wenn sie mit ihrer ec-Karte/girocard und der persönlichen Geheimzahl während des Urlaubs fahrlässig umgehen. Dies geht aus einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe hervor.

Während seines sechswöchigen Thailand-Urlaubs 2006 wurden mit der girocard (ehemals "ec-Karte") eines Klagenden insgesamt rund 6800 Euro an einem Geldautomaten unter Verwendung der korrekten PIN abgehoben. Der Klagende behauptete, diese Abhebungen bis auf eine einzige Verfügung nicht selbst vorgenommen zu haben und verlangte von seiner Bank die Erstattung des Betrags. Da er seine girocard (ehemals "ec-Karte") während seines Urlaubs stets sicher verwahrt habe, müssten Dritte seine Kartendaten und die PIN ausgespäht, eine Kartendublette erstellt und damit die Abhebungen getätigt haben.

Die Bank erstattete außergerichtlich lediglich einen Teilbetrag von rund 1.300 Euro, wies die Begleichung der restlichen 5500 jedoch ab und begründete dies mit dem so genannten Anscheinsbeweis: Unter den vorliegenden Umständen, insbesondere der Tatsache, dass die Zahlungskarte nicht dauerhaft entwendet worden war und die Abhebungen unter Verwendung der korrekten PIN erfolgten, spreche alles dafür, dass der Kläger (oder ein Dritter mit seinem Einverständnis) das Geld entweder selbst abgehoben oder pflichtwidrig die PIN zusammen mit der Karte aufbewahrt habe. Dadurch sei es Dritten ermöglicht worden, mit der entwendeten girocard (ehemals "ec-Karte") Geld am Automaten abzuheben. In beiden Fällen sind Ersatzansprüche gegen die Bank ausgeschlossen. Diesen Anscheinsbeweis konnte der Kläger nicht entkräften.

Laut Urteil ist es zwar theoretisch möglich, dass Dritte die Kartendaten und die PIN ausgespäht und eine Kartendublette angefertigt haben. Ein solcher Geschehensablauf liege hier aber außerhalb jeder Lebenserfahrung: Bei einem Ausspähen der Daten in Deutschland wäre es wohl kaum zu Barabhebungen in Thailand gekommen, nachdem der Kläger die Karte eigenen Angaben zufolge in Thailand erstmals nach den streitigen Abhebungen benutzt hat.

(OLG Karlsruhe 06.05.2008, 17 U 170/07)