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29.06.2020

Wie COVID-19 die organisierte Kriminalität in der EU beeinflusst

Ein Blick in die Gegenwart und in die Zukunft: Der neue Europol Report in der Zusammenfassung von EAST.  Welche Kriminalitätsfelder erleben Veränderungen? Was kommt langfristig auf uns zu? Wieso gelten auch Zahlungsmethoden als Schlüsselfaktoren?

 

Die Auswirkungen der Corona-Situation auf die schwere und organisierte Kriminalität werden in dem aktuellen Europol Bericht mit gegenwärtigem, mittelfristigem und langfristigem Blick bewertet.

Neue Möglichkeiten auf alten Jagdgründen
Die COVID-19-Pandemie wird wahrscheinlich neue Möglichkeiten für kriminelle Aktivitäten geschaffen haben, die über das Ende der aktuellen Krise hinaus genutzt werden. Zu den relevanten Kriminalitätsbereichen zählen die Geldwäsche, Briefkastenfirmen, der Immobilien- und Bausektor sowie Migrantenschmuggel.

Vier Vorhersagen auf längere Sicht
1. Das organisierte Verbrechen ist in hohem Maße anpassungsfähig und hat bewiesen, dass es in der Lage ist, aus Krisen, wie zum Beispiel zu Zeiten des Kalten Krieges oder der Weltwirtschaft der Jahre 2007-2008, langfristige Gewinne zu ziehen.
2. Gemeinschaften, insbesondere gefährdete Gruppen, werden in Krisenzeiten für das organisierte Verbrechen tendenziell leichter zugänglich. Wirtschaftliche Not macht Gemeinschaften empfänglicher für bestimmte Angebote, wie z.B. billigere gefälschte Waren oder die Anwerbung für kriminelle Aktivitäten.
3. Mafia-artige Gruppen des organisierten Verbrechens nutzen eine Krise und anhaltende wirtschaftliche Not wahrscheinlich aus, indem sie gefährdete junge Menschen rekrutieren, die als Kredithaie, mit Erpressung und Schutzgeldern operieren sollen.
4. Organisierte Kriminalität tritt nicht isoliert auf, und der Zustand der Gesamtwirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Eine Krise führt oft zu Veränderungen in der Nachfrage der Verbraucher nach bestimmten Arten von Waren und Dienstleistungen. Dies führt zu Verschiebungen auf den kriminellen Märkten.

Schlüsselfaktoren der Entwicklung
Mehrere Faktoren haben erheblichen Einfluss auf die schwere und organisierte Kriminalität, indem sie Verhalten prägen oder Schwachstellen schaffen:
• Online-Aktivitäten,
• Nachfrage bzw. Mangel an bestimmten Gütern,
• Zahlungsmethoden,
• wirtschaftlicher Abschwung,
• steigende Arbeitslosigkeit.
Was die Zahlungsmethoden angeht, so wird sich die Pandemie wahrscheinlich über ihre eigentliche Dauer hinaus auf die Zahlungspräferenzen auswirken. „Mit einer Verlagerung der wirtschaftlichen Aktivitäten auf Online-Plattformen nehmen bargeldlose Transaktionen in Anzahl, Volumen und Häufigkeit zu.“, so der Report.

In vollem Umfang lesen Sie den englischsprachigen Originalbeitrag von EAST hier.

Den kompletten EUROPOL Bericht „Beyond the pandemic“ können Sie hier herunterladen.

Organisierte Kriminalität – vom diffusen Begriff zur schwachen Aussagekraft
Die deutschen Behörden haben sich 1990 auf folgende Definition geeinigt:
„Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen, unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder unter Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft zusammenwirken.“

Diese Definition von ‚Organisierter Kriminalität’ (OK) enthält aus wissenschaftlicher Sicht einige unbestimmte Rechtsbegriffe, welche vor allem weite Teile der Wirtschaftskriminalität betreffen. Sogar der ehemalige BKA-Präsident Hans-Ludwig Zachert bezeichnete sie als „selbst Eingeweihten nur in glücklichen Stunden verständlich“. * Derartige Lagebilder, wie sie auch vom BKA jedes Jahr herausgegeben werden, sind in ihrer Aussagekraft begrenzt. Wie alle polizeilichen Statistiken beleuchten sie nur das Hellfeld, also die der Polizei bekannt gewordenen Fälle, in denen auch ermittelt wurde. Das Dunkelfeld dürfte bei der OK jedoch besonders groß sein.
*Quelle: Sieber, Ulrich/Bögel, Marion (1993): Logistik der Organisierten Kriminalität. Wiesbaden, Bundeskriminalamt




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