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29.09.2020

Wenn das Auto für Sie bezahlt

Das „Connected Car“ kommt. Denn Datenkonnektivität ist die Zukunft. Auch beim Bezahlen. Einkäufe von der Mittelkonsole Ihres Autos aus direkt zu erledigen, bringt mehr Komfort, Zeitgewinn, ja sogar zeitgemäße Distanz. Dank hinterlegter Zahlungskarte und futuristischer Vernetzung.

 

Die Mobile Brieftasche im Armaturenbrett.
kartensicherheit.de öffnet für Sie ein Fenster in die Zukunft des Bezahlens. Diese ist gar nicht so weit weg, folgt man der Meinung von Fiserv, dem Spezialisten für Zahlungsverkehrsdienstleistungen und Software für Banken, denn unser Auto wird zur Kundenschnittstelle! Während zunehmend elektronische und kontaktlose Bezahlsysteme genutzt werden, wird der Touchscreen des Autos zur Angebotsplattform, auch für Payments! Digitale Unterstützung zur Navigation, Einpark- und Pannenhilfe sind bei den neuen Modellen schon verbreitet. Nun kommt auch der Handel hinzu und mit ihm die Zahlungen. Beim Drive-In Burger zu holen und das Auto zahlen zu lassen, könnte üblich werden.

So kümmert sich das Auto um Mensch, Maschine und Monetäres.
Der Tank ist bald leer? Das Navigationssystem gibt eine Meldung aufs Display und bietet an, Sie zur nächsten Tankstelle zu lotsen. Dort wird Ihnen eine freie Zapfsäule direkt zugewiesen. Weil zuvor das Zahlungsmittel einmal hinterlegt worden ist („card on file“), bekommen Sie nun die gespeicherten Zahlungsoptionen angezeigt. Man bestätigt einfach das Zahlungsmittel, und die Zapfsäule wird freigeschaltet. Als treuer Kunde der Tankstellenkette bekommen Sie obendrein einen kostenlosen Kaffee angeboten. Ist der Tankvorgang abgeschlossen, wird der Endbetrag auf dem Autodisplay angezeigt – und Sie bezahlen bequem, schnell und direkt im Fahrzeug. Der Beleg erscheint auf dem Display und kann auf Wunsch noch an eine hinterlegte E-Mail-Adresse geleitet werden.

Haben Sie Hunger? Das Fahrzeug macht Sie auf das nächste Schnellrestaurant aufmerksam und bietet an, Sie dort hinzuleiten. Ihre Bestellung könnte nicht einfacher sein: Ihr Lieblingsburger ist bekannt und kann direkt durchs Autofenster gereicht werden. Bezahlt wird bei Ankunft und dann ist Ihre Bestellung schon fertig. Der Beleg erscheint auf dem Display.

Heute mal VIP-Status genießen? Während die Massen zur Sportveranstaltung strömen, macht Sie das Auto auf einen VIP-Parkplatz aufmerksam. Zur Schrankenöffnung wird Ihnen ein QR-Code aufs Smartphone geschickt, durch die Vernetzung über verschiedene Devices hinweg.

Kein kaltes Bier mehr zuhause? Das Fahrzeug als Teil vernetzter Smart Devices kann zum Beispiel von Ihrem smarten Kühlschrank Hinweise auf fehlende Lebensmittel erhalten. Die Bestellinformationen des Kühlschranks können Sie im Auto, auf dem Weg zum Supermarkt noch ergänzen oder verändern – an den Händler weiterleiten und bezahlen. Wenn Sie beim Supermarkt vorfahren, sind Ihre Einkäufe schon zum Verladen bereitgestellt.

 

Unterwegs zu neuen Geschäftsmodellen.
Die Mehrheit der Autofahrer geht mit dem Handy während der Fahrt nicht online. Dennoch sind auf das Handy am Steuer 100.000 Zusammenstöße pro Jahr in Deutschland zurückzuführen.* Ein vernetztes Auto bietet andere Möglichkeiten. Genau hier liegt – nicht nur für die Automobilindustrie – ein Mega-Zukunftsmarkt. Über verkehrsnahe Anwendungen wie zum Beispiel die Parkplatzsuche und Bezahlung öffnen sich gewaltige Perspektiven. Studien sind schon für Ende 2019 von schätzungsweise 64 Mio. Fahrzeugen mit vernetzter Technologie ausgegangen. Und der sog. „in-vehicle commerce“ boomt: 218 Mrd. US$ bis 2025 sagt MarketsandMarkets dafür voraus.

*Quelle: https://www.besmart-mobil.de/unfaelle-durch-das-handy-am-steuer/


Das Potenzial für Car Payment Lösungen ist riesig.
In keinem anderen Land hat das Auto einen solchen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und oft auch persönlichen Stellenwert wie in Deutschland. Auf den Straßen stehen die Fahrer hierzulande durchschnittlich 120 Stunden pro Jahr im Stau – jede Menge Zeit für das digitale Angebot im Auto. Statistiken aus den USA vermitteln künftige Entwicklungsmöglichkeiten auch hierzulande:

  • In Amerika bestellen 62 % der Fahrer mindestens einmal pro Woche Essen und Getränke zum Mitnehmen.
  • 71 % der Fahrer fänden es nützlich, über das Infotainmentsystem im Auto bestellen zu können.

Eine Studie von Digital Drive* in den USA hat gezeigt:

  • 135 Millionen Pendler geben jährlich mehr als 210 Mrd. Dollar unterwegs zwischen Haustüre und Arbeit für Benzin, Parken, Essen und Getränke aus.
  • Mehr als die Hälfte dieser Leute nutzt derzeit ein Mobiltelefon oder Tablet, um im Voraus während ihrer Fahrt Dinge zu bestellen und zu bezahlen.
  • Etwa 40 % nutzen dabei eine App und In-App-Zahlungen, wenn Sie sich einen Kaffee zum Mitnehmen holen.
  • Fast drei Viertel der befragten Pendler sowie 82 % der Millennials mit langen Pendelzeiten würden mehr einkaufen, wenn die Möglichkeiten fürs Einkaufen und Bezahlen im Auto integriert wären.

*https://www.pymnts.com/the-digital-drive/

 

Autohersteller wandeln sich zu vernetzten Mobilitäts-Services.
Nicht nur der Trend weg vom Autobesitz, hin zum Car Sharing fördert ein neues Denken. Die Automobilindustrie verstärkt die Internetkonnektivität und Flexibilität für Software-Updates in neuen Modellen. Infotainmentsysteme entwickeln sich zu neuen Plattformen und steuern verschiedene Apps. Das Ziel ist die direkte Kommunikation mit dem Fahrer.

Schon heute melden sich die meisten neuen Autos, wenn ein Ölwechsel fällig ist. Künftig könnte die Selbstdiagnose noch weiter reichen, auch verbunden mit der Navigation zur nächsten Werkstatt. Die Erinnerung an den Reifenwechsel oder Urlaubscheck kommt automatisch, wenn sich der Fahrer in der Nähe seines Händlers befindet. Geolocation Services machen’s möglich.

Folglich haben die Fahrzeuge immer weiter vergrößerte Informationsmengen mit extremer Geschwindigkeit zu verarbeiten. So wird zum Beispiel ein einziges autonomes Auto in nur einer Stunde 40-mal mehr Daten verbrauchen, als alle 270 Millionen Twitter-Nutzer an einem ganzen Tag produzieren – die Rede ist hier von 4000 GB versus 100 GB. In einstmals unvorstellbaren Mengen und Umgebungen kann heute modernste Konnektivitätstechnik die Daten im gesamten Fahrzeug fehlerfrei, nahtlos und schnell übertragen.

Lesen Sie in dieser Newsletter-Ausgabe dazu auch den Artikel „5G beschleunigt das Internet der Dinge“.

 

Im Fahrersitz die Umgebung völlig neu erleben.
Eine Autofahrt wird zum Flug durch ein vernetztes Ecosystem, der Pkw zum Automotive Marketplace. Die Bedürfnisse des Fahrers werden, ebenso wie der Bedarf des Fahrzeugs, vorauseilend in Betracht gezogen. Die Automobilbranche mit all ihren kommerziellen Teilhabern, bis hin zur Waschstraße oder Werkstatt, verbindet sich mit anderen Anbietern aus Gastronomie, Touristik uvm. über Treueprogramme und andere Marketingstrategien – und an ihrer Wegkreuzung stehen die verschiedensten Zahlungsverfahren und entsprechenden Sicherheitslösungen.
Wird das autonome Fahren Wirklichkeit auf den Straßen, deutet alles darauf hin, dass die Insassen ihre Zeit ähnlich nutzen, wie es längst in anderen Verkehrsmitteln üblicherweise zu beobachten ist. Die Augen sind überwiegend aufs Display gerichtet. Im Unterschied zur Bahn wird das Auto jedoch eine kundenspezifische Handelsmaschine.

Zum Beispiel das bargeldlose In-Car-Payment-System von Jaguar und Shell macht es vor: Über den Touchscreen des Autos kann man an den gelb-roten Tankstellen via PayPal, Apple Pay oder Android Pay bezahlen; dank der App des Mineralölkonzerns. In Deutschland können Shell-Kunden mittels Shell-App und deren SmartPay Option in Verknüpfung mit PayPal immerhin direkt übers Smartphone bezahlen.

 

Zahlungskarten als Fortschrittsmotoren.
Visa leistet Pionierarbeit mit einem neuen System, das von Visa Token Service betrieben wird. Es wird Autofahrern erlauben, intelligente Zapfsäulen und Parkuhren vom Armaturenbrett aus zu nutzen und bezahlen. Ihr Fahrzeug tritt dann mit Ihrer Zahlungskarte in Verbindung, die Zahlung wird per Knopfdruck auf der Konsole angezeigt und bestätigt.

Mastercard betreibt eine Partnerschaft mit General Motors und IBM. Mobile Zahlungen sollen an OnStar-Systeme in Fahrzeug-Dashboards von GM gebracht werden.

 

Gerangel um die Pole Position.
Das vernetzte Denken von Automobilherstellern, Zahlungskartenunternehmen und Handel ist in vollem Gange. Parallel platzieren Technologiegrößen wie Google und Amazon ihre digitalen Sprachassistenten immer öfter im Auto, damit der Verbraucher am Steuer bessere Möglichkeiten zum Einkaufen bekommt. Als erster Autohersteller hatte Ford Motor Co. 2017 Alexa in seine Fahrzeuge integriert. Während der Fahrt mit Alexa über Amazon Prime etwas bestellen? Läuft! Der Google Voice Assistant ist bei Hyundai an Bord gegangen. Von Daimler wurde der Kauf des digitalen Zahlungsprozessors PayCash Europe vermeldet, von VW die Parking-App PayByPhone.

Und was macht High-Tech Primus Tesla gerade? Bisher konnte man den Tesla Supercharger nur mit der Kreditkarte bezahlen, die man in seinem Tesla-Konto online gespeichert hatte. In diesem Sommer hat Tesla eine neue in-car payment Methode hinzugefügt, die es Fahrern ermöglicht, nur über das Fahrzeugdisplay zu bezahlen. Damit wird auch das zukünftige Tesla-Robotaxi-Netz realistischer.

An weiteren Visionen wird längst getüftelt – ob Bezahllösungen für Mautgebühren, Belohnungssysteme für in-car payments oder Entwicklungen für Mietfahrzeuge, beispielsweise für Versicherungsangebote. Die Datensicherheit stellt dabei wohl die größte technische Herausforderung dar.

Kritische Stimmen verbinden mit den erweiterten Möglichkeiten auch mehr Sicherheitsrisiken, zudem könnte mehr Angebot auch zu Mehrausgaben führen. Das Rennen um den Konsumenten im „Lordosenstützsitz“ ist eröffnet.

 

Quellen:

https://www.paycomm.org/files/pdf3/4-connectedcar_steffendangel.pdf
https://www.fiserv.com/
https://paymentandbanking.com/payment-im-auto/
https://www.pymnts.com/the-digital-drive/
https://www.der-bank-blog.de/in-car-payments/mobile-payment/37655183/
https://cleantechnica.com/2020/06/17/tesla-adds-in-car-payment-option-for-supercharging-sessions/
https://www.tesmanian.com/blogs/tesmanian-blog/tesla-provides-in-car-payment-option-for-your-supercharging-video
https://www.te.com/deu-de/trends/electric-vehicles-connected-transportation.html
https://www.trendreport.de/in-car-payment-das-auto-als-rollende-kreditkarte/

 




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