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27.10.2020

Der digitale Euro der Europäischen Zentralbank macht Fortschritte

Der aktuelle Stand der Zentralbank-Initiative zur europäischen Digitalwährung. Seit Mitte Oktober hat die Einführung von Digitalgeld in Europa eine neue Phase erreicht. Das Für und Wider wird nach wie vor genau geprüft, nicht nur von der EZB.

 

digitaler euro

Die Testphase hat begonnen
Seit dem 12. Oktober ist eine öffentliche Befragung von Bürgern und Fachleuten aus Wissenschaft und Finanzsektor im Gange, um Pro und Contra des digitalen Euro zu ermitteln. Gleichzeitig verfolgt die EZB interne Tests mit einer Digitalwährung. Mitte nächsten Jahres soll dann die Entscheidung für oder gegen den Start stehen.

Bundesbank-Präsident Dr. Jens Weidmann mahnt ein sorgfältiges Abwägen an, ein umfassendes Verständnis von Digitalgeld würde zunächst benötigt. Auch Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz fordert eine vertiefte Analyse, beispielsweise für die potentiellen Auswirkungen auf die Geldpolitik und das Bankensystem. Bei den Notenbanken der europäischen Länder herrschen gegenwärtig verschiedene Auffassungen. Zum Beispiel wünscht man sich in Frankreich offenbar lieber heute als morgen eine Digitalwährung der EZB.

Zurückhaltende Stimmen aus der EZB
Eine Taskforce der Europäischen Zentralbank untersucht seit Wochen die Vorzüge, Risiken und Herausforderungen einer Digitalgeld-Einführung. Präsidentin Christine Lagarde äußert sich vorsichtig: „Wir sollten darauf vorbereitet sein, einen digitalen Euro einzuführen, sollte dies erforderlich werden.“

Der Trend zum Bezahlen ohne Münzen und Scheine, der sich in Deutschland und im Euro-Raum stetig verstärkt, kann nicht allein dahinterstehen. Immerhin: 2019 wurden nach EZB-Angaben über 8 % mehr bargeldlose Zahlungen im Währungsraum der 19 Staaten abgewickelt; und in diesem Jahr ist der Schub durch Corona eklatant verstärkt worden.

Eine Vorstellung, was diese Erforderlichkeit möglicherweise ausmacht, vermittelt EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta. Er spricht von extremen Situationen wie Pandemien oder Naturkatastrophen, in denen andere herkömmliche Zahlungsdienstleistungen nicht mehr funktionieren. Doch auch ohne diese Worst-Case-Szenarien lassen sich eine Reihe von Erfordernissen ermitteln.


Der Euro muss für das digitale Zeitalter gerüstet sein
Es geht um denkbar viel: Wettbewerbsvorteile, Industriepolitik, europäische Souveränität, die Stabilität der Finanzmärkte und unseres Währungssystems. Elektronische Währungen bergen in einer digitalen und globalisierten Welt die Gefahr für Europa, seine geldpolitische Souveränität zu verlieren. Zumal der Entwicklungsrückstand drängt. Dieses Fazit vertreten sowohl der Bundesverband deutscher Banken (BdB), als auch der Digitalverband Bitkom seit Monaten und fordern rasches Handeln. Sonst könnten Europäer bei attraktiven, effizienten digitalen Bezahlmodellen bald nur noch zwischen der chinesischen oder amerikanischen Variante auswählen.


Im Verdrängungswettbewerb mit USA und China
China testet bereits sein Chinese Digital Currency Electronic Payment (DCEP). Es soll auch als echte digitale Währung im internationalen Banken- und Zahlungsverkehr zum Einsatz kommen – also die Bedeutung und den Marktanteil der chinesischen Währung in der Welt erhöhen. Für die Akzeptanz in der chinesischen Bevölkerung wird gesorgt, indem staatliche Leistungen in der neuen Digitalwährung ausgezahlt werden.

Facebook will noch in diesem Jahr mit Libra an den Start gehen; Mark Zuckerberg verfolgt damit das Ziel, traditionellen Währungen eine neue Zahlungsinfrastruktur zu geben und denkt die Währung schon als globale Plattform für internationale Geldtransfers weiter. Allerdings gibt es auch andere Perspektiven. Nicht nur Finanzaufseher verbinden mit Libra erleichterte Bedingungen für Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Terrorfinanzierung und andere schmutzige Geschäfte. Facebook betont hingegen, in Schwellenländern ohne flächendeckendes Bankensystem den bargeldlosen Zahlungsverkehr zu erleichtern.


Mehr Initiative gegenüber privaten Digitalwährungen
Die Europäische Union will eine stärkere Regulierung für Stablecoins wie Libra und andere privatwirtschaftliche Initiativen wie Bitcoin, Anbieter von Kryptowährungen und Kryptoasset-Diensten etablieren. Die EU-Kommission hat den Rahmen dazu bereits vorgelegt. Der digitale, programmierbare Euro wäre nun die Antwort auf verschiedene digitale Geldprojekte – mit dem großen Unterschied, dass eine Zentralbank die Stabilität der Währung sichert. Die EZB steht immer mehr unter Zugzwang.

 

Immer lautere Forderungen aus der Wirtschaft
Ein digitaler Euro bringt vor allem der Wirtschaft Vorteile. Innerhalb von Sekunden anstelle von Tagen könnte der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr stattfinden. Die Automatisierung von Transaktionen nähme in den Unternehmen Fahrt auf. Die dazugehörige Blockchain-Technologie ermöglicht Einsparungen weit und breit. Ob es um Wertpapierhandel oder Kleinstbeträge geht, M2M-Zahlungen (Machine-to-Machine Payment) oder sog. intelligente Verträge auf Basis selbstausführender Prozesse z.B. bei Krediten oder Leasing.

Der FinTech-Rat des Bundesfinanzministeriums hat Ende Juli bereits zu digitalen und insbesondere programmierbaren Geldformen Stellung genommen. Der Programmierbarkeit von Zahlungsflüssen traut man zwei wesentliche Positiveffekte zu: gesteigerte Effizienz im Zahlungsverkehr und ein Innovationsschub bei der Digitalisierung der Industrie. Das unterstreicht auch FinTech-Ratsmitglied Prof. Dr. Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers der Frankfurt School of Finance & Management. Er verweist außerdem auf die Vorteile im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr – die enorme Bedeutung für Deutschland als Industriestandort und Exportnation liegt auf der Hand.

Das Positionspapier „Der digitale programmierbare Euro“ des FinTech-Rates können Sie hier herunterladen.


Bargeld lacht auch in Zukunft – und bis dahin?
Wie die EZB ausdrücklich verlauten lässt, könnte das elektronische Zentralbankgeld ebenso wie das Bargeld von der breiten Bevölkerung genutzt werden. Die digitale Währung könnte von den Bürgern sogar direkt bei der Zentralbank hinterlegt werden. Das Eurosystem wird weiterhin Bargeld ausgeben. Der digitale Euro wäre eine Ergänzung zu Scheinen und Münzen, kein Ersatz.

 

Quellen:
https://www.merkur.de/wirtschaft/neues-zeitalter-ezb-verstaerkt-arbeit-an-digitalem-euro-zr-13913020.html

https://www.ing.de/ueber-uns/wissenswert/digitaler-euro/

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/digital-bezahlen/ezb-macht-ernst-mit-dem-digitalen-euro-16948999.html

https://medium.com/@philippsandner/open-letter-roadmap-towards-a-digital-programmable-euro-ab4ede44bac5

 




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