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29.08.2019

„Mobile Payment in Deutschland“: Im Interview mit Jochen Siegert

„Neue Technologien lassen sich nur dann durchsetzen, wenn sie auch für den Kunden einen spürbaren Nutzen bringen!"

Jochen Siegert ist Start-up Unternehmer, Keynote Speaker und Mentor im FinTech-Umfeld. Nach dem interessanten Interview im Jahr 2017 ist es Zeit, nachzufassen und nachzufragen. Was hat sich in der Zwischenzeit getan und wie schätzt der FinTech-Experte die aktuellen Entwicklungen ein?

Herr Siegert, im Juni 2017 haben wir in diesem Newsletter bereits ein Interview mit Ihnen veröffentlicht, die Überschrift des Beitrags lautete damals: „Die derzeitigen Mobile Payment-Angebote in Deutschland lösen kein Kundenproblem." Würden Sie diese Aussage heute in der Form wiederholen?
Nein, denn wir sind inzwischen deutlich weitergekommen.

Können Sie das mit einem Beispiel verdeutlichen?
Ja, gerne! Nehmen wir das Beispiel Payback Pay. Da wurde eine breite Akzeptanz aufgebaut und Rewards wurden mit Zahlungen fusioniert, das heißt, man kann bereits, während die Artikel gescannt werden, bezahlen. Das bringt natürlich massive Geschwindigkeitsvorteile an der Kasse, auch für den Kunden. Auch Apple und Google sind mit ihren Mobile-Payment-Verfahren mit ausgewählten Banken gestartet. Herausragend finde ich die Bezahlung mit der Apple Watch. Keine Eingabe einer PIN mehr, eine wirklich sichere und schnelle Zahlung über die Uhr.

Bei unserem letzten Gespräch sahen Sie große Probleme bei den Mobile Payment-Angeboten im Handel ...
Ja, ich bin weiterhin eher skeptisch, wenn es „nur" darum geht, einen anderen Formfaktor der Karte ans Terminal zu bringen. Nach meiner Erfahrung lassen sich neue Technologien nur dann durchsetzen, wenn sie auch für den Kunden einen spürbaren Nutzen bringen.

Wie schätzen Sie die jetzige Situation im Bereich Mobile Payment ein? Wer ist aus Ihrer Perspektive auf dem richtigen Weg?
Hier gibt es aus meiner Sicht interessante Entwicklungen. Payback Pay beschleunigt, wie erwähnt, den Prozess auch für den Kunden signifikant. Apple schaffte es, die starke Bindung an die Apple-Zielgruppe zu steigern und Alipay beeindruckt über die Lenkung von Touristenmassen im Handel aufgrund von Rewards.

Was meinen Sie mit „Lenkung der Touristenmassen"?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Der chinesische Tourist bekommt in Frankfurt über seine Alipay-App die Information, dass in der Nähe gerade ein Laden hochwertige Haushaltswaren mit 20 Prozent Rabatt verkauft. Durch seine enge Bindung zur App vertraut der Kunde auf diese Information und kauft dort ein. Hier geht Alipay einen neuen Weg und erschließt sich damit auch neue Märkte.

Wird das Angebot nicht langsam zu unübersichtlich für die Kunden? Und haben in diesem Umfeld neue Produkte überhaupt eine Chance, vom Kunden angenommen zu werden?
Ich glaube nicht, denn der Markt scheint sich zu konsolidieren. Vor zwei Jahren glich die grafische Darstellung aller Anbieter eher einem Wimmelbild, mittlerweile hat sich eine große Anzahl von Unternehmen wieder vom Markt verabschiedet. Wer kennt heute noch Yapital, Cashcloud, Mywallet, mpass?

Wie schätzen Sie mittlerweile die Situation beim Thema Sicherheit ein?
Hier hat sich nichts geändert. NFC war damals schon sicher und ist es heute noch genauso. Zudem gibt es bei Apple Pay, Google Pay und anderen ja die Tokenization von Zahlungsinformationen bei der, einfach ausgedrückt, die Kartennummern nicht mehr in Echtzeit transferiert werden. Das ist signifikant sicherer! Dass Datenbanken mit Kartendaten geknackt wurden, ist in der Vergangenheit ja schon vorgekommen. Statt der Kreditkartendaten finden die Eindringlinge nun einen Token vor, mit dem sie absolut nichts anfangen können.

Und welche Entwicklungen beobachten Sie im Bereich P2P?
Während P2P im Ausland schon sehr stark genutzt wird, ist die Entwicklung in Deutschland sehr zögerlich. Das liegt sicherlich auch an der fehlenden Kompatibilität der Systeme. Zumindest haben sich die VR Banken und die Sparkassen mit einem gemeinsamen System zusammengetan, das könnte ein erster Schritt sein. Grundsätzlich bietet dieses System ein hohes Potenzial! Wenn im Freundeskreis einer die gemeinsame Restaurantrechnung mit seiner Karte bezahlt, ist es sehr praktisch, wenn alle anderen dann ihren Anteil ohne Verzögerung bargeldlos übermitteln und begleichen können.

Wie wird sich nach Ihrer Einschätzung der Markt bei mobilen Angeboten und dem mobilen Bezahlen in den nächsten Jahren entwickeln?
Die Entwicklung ist ja durchaus positiv. Von den 840.000 Bezahlterminals in Deutschland sind bereits 680.000, also mehr als dreiviertel, kontaktlos. Kontaktloses Zahlen, in welcher Form auch immer, wird zum neuen Standard. Gleichzeitig wird sich der Markt auch weiter konsolidieren, nur die besten Angebote, und das sind für mich die Angebote, die sich auch am Kunden orientieren, werden sich durchsetzen.

Herr Siegert, vielen Dank für das Gespräch!




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