zum vorherigen Artikel

Alle Artikel

Alle Newsletter Artikel können Sie sich hier durchlesen oder danach suchen.

zum nächsten Artikel

Artikel 2017

28.02.2018

Volksbanken und Raiffeisenbanken bringen girocard und Kreditkarte ins Smartphone

Dr. Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) im Gespräch mit kartensicherheit.de.

kartensicherheit.de: Herr Dr. Martin, die genossenschaftliche FinanzGruppe integriert neben der girocard auch die institutseigenen Kreditkarten ins Smartphone und ermöglicht so ab Sommer 2018 ihren Kunden das kontaktlose Bezahlen mit dem Handy. Wie funktioniert die neue Bezahlmöglichkeit?

Der kontaktlose Bezahlvorgang mit dem Smartphone ist einfach: Nach dem Bestellen und Laden der digitalen Bankkarte über die VR-BankingApp auf das eigene Smartphone werden unsere Bankkunden durch schlichtes Halten des Geräts an das Bezahlterminal im Handel bezahlen können – und profitieren von den Vorteilen einer bequemen, schnellen und sicheren Zahlung, bei der nicht mehr das Portemonnaie herausgesucht werden muss.

Wie beim kontaktlosen Bezahlen mit der physischen Bankkarte ist die PIN-Eingabe nur bei Zahlungen über 25 Euro regelmäßig erforderlich. Mit der aktivierbaren "ExpressZahlung" können die Karteninhaber sogar ohne das Öffnen der VR-BankingApp, lediglich nach Einschalten des Displays ihres NFC-fähigen Smartphones mit Android Betriebssystem, bezahlen. NFC bedeutet Near Field Communication und ist der weltweite Standard für kontaktlose Anwendungen.

 

Was waren die besonderen Herausforderungen bei der Entwicklung?

Bei der Anwendung legen wir Wert auf eine gute und einfache Bedienbarkeit. Im Zuge der Entwicklung galt es neben der technischen Entwicklung des Verfahrens an sich diese Faktoren mit rechtlichen und sicherheitstechnischen Aspekten in Einklang zu bringen und die Anwendung von der Bestellung der digitalen Karte bis zum Bezahlen so simpel, selbsterklärend und übersichtlich wie möglich zu gestalten.

Dazu gehört beispielsweise, dass die Kunden zu jeder digitalen Karte in der App die einzelnen Transaktionen, die sie damit durchgeführt haben, aufgeführt bekommen. So haben sie den transparenten Überblick über ihre Einkäufe mit der digitalen Bankkarte.

 

Auf welcher Technologie basiert die digitalisierte Bankkarte auf der VR-BankingApp und welche Vorteile bietet diese Technologie gegenüber anderen?

Für die Digitalisierung der Bankkarte auf dem Smartphone setzen wir die so genannte HCE-Technik (Host Card Emulation) ein, eine rein softwarebasierte, sichere und von Mobilfunkanbietern unabhängige Lösung.

Bereits 2016 hatten wir innerhalb der genossenschaftlichen FinanzGruppe in einem Pilotverfahren erstmals die girocard auf dem Smartphone digitalisiert, wobei die Bankkarte auf der SIM-Karte des Handys hinterlegt wurde, seinerzeit in Kooperation mit Vodafone. Die Erfahrungen daraus flossen auch in den aktuellen Piloten ein.

 

Welche Ergebnisse brachte der Usability-Test und wie läuft die im Dezember 2017 gestartete Family & Friends Testphase? Gibt es schon erste Erkenntnisse?

Usability-Tests begleiten bei uns die Entwicklung. Die ersten haben wir bereits durchgeführt, bevor mit der eigentlichen App-Entwicklung begonnen wurde. Usability-Tests zeigen auf, wie Kunden die App bedienen, was gut funktioniert und welche Abläufe optimiert werden müssen. Wir lernen daraus auch, ob unsere Kunden verstehen, was sie auf den einzelnen Screens sehen, und ob die erklärenden Texte funktionieren.

Erkenntnisse aus dem Family & Friends-Test sind beispielsweise, dass je nach Smartphone-Modell die Platzierung der NFC-Antenne sowie Abläufe bei Kernfunktionen in der Android-Software unterschiedlich sind. Auch die Handhabung des Smartphones durch die Kunden hat einen Einfluss. So halten viele Kunden das Smartphone mit dem Display nach unten auf das Lesegerät des Bezahlterminals. In der Regel ist die Antenne aber auf der Rückseite des Smartphones verbaut und daher diese vor das Terminal zu halten. Neben technischen Erkenntnissen gewinnen wir durch den Test so vor allem Wissen darüber, was und wie wir Kunden gegenüber kommunizieren müssen, damit sie die digitalen Karten erfolgreich einsetzen können.

 

Wie sind die nächsten Schritte nach Abschluss der Family & Friends Testphase?

Im nächsten Schritt werden die Pilotbanken ab Mai 2018 auch erste Kunden in das laufende Pilotverfahren einbeziehen. Hier verzeichnen die beiden Institute seit Pilotstart schon reges Interesse von Bankkunden, die mittesten wollen. In diesem Endkundenpiloten werden wir vor allem auch die Maßnahmen der Kundeninformation testen können.

 

Wie sieht die Akzeptanz im Handel heute aus? Wo überall kann man aktuell mit dem Smartphone bezahlen?

Die digitalen Bankkarten sind der nächste logische Schritt nach den kontaktlosen Bankkarten, die wir bereits seit 2015 ausgeben. Es können die gleichen Bezahlterminals verwendet werden, die heute bereits kontaktlose Bankkarten akzeptieren. Die kontaktlose girocard wird inzwischen an mehr als jedem zweiten der rund 800.000 Bezahlterminals im deutschen Handel akzeptiert. Kreditkarten werden bereits heute schon fast überall kontaktlos akzeptiert, sofern der Händler generell Kreditkartenzahlungen ermöglicht.

Bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken, die bereits 12,8 Millionen kontaktlose girocards und 800.000 kontaktlose Kreditkarten an ihre Kunden ausgegeben haben, ist seit 2017 jede neu ausgegebene physische Bankkarte NFC-fähig. Die Vollausstattung aller über 27 Millionen genossenschaftlicher girocards mit der kontaktlos-Funktion wird im Jahr 2020, die aller 4,3 Millionen genossenschaftlicher Mastercard- und Visa-Kreditkarten im Jahr 2021 erreicht.

Die Kontaktlos-Transaktionen entwickeln sich schon jetzt ausgesprochen gut. Im Januar 2018 waren bundesweit bereits 10 Prozent aller genossenschaftlichen girocard-Zahlungen kontaktlos und das bei bisher rund 50 Prozent Umstellung unserer Karten auf die Kontaktlosfunktion.

 

Müssen die Händler für die Akzeptanz neue Bezahlterminals anschaffen?

Die meisten Bezahlterminals haben bereits einen NFC-Leser, so dass ein Update der Software ausreichend ist. Und dann spielt es keine Rolle, ob die physische kontaktlosfähige Bankkarte oder das Smartphone mit den digitalen Bankkarten davorgehalten wird. Bei älteren Geräten kann es aber vorkommen, dass die Hersteller keine entsprechende Software mehr entwickeln, dann muss das Bezahlterminal getauscht werden.

 

Wie und ab wann können Kunden eine digitale Bankkarte erhalten?

Ab Sommer 2018 wird die genossenschaftliche FinanzGruppe mit der neuen Bezahlmöglichkeit für ihre Kunden in die Fläche gehen. Dann können rund 85 Prozent aller Volksbanken und Raiffeisenbanken das Bezahlen auf dem Smartphone mit der girocard oder Kreditkarte ermöglichen. Ab Dezember 2019 können dann sämtliche Genossenschaftsbanken die digitalen Bankkarten anbieten. Die Kunden können die digitalen Bankkarten dann einfach aus der VR-BankingApp heraus bestellen. Der Kunde erhält innerhalb weniger Minuten die einsatzfähige digitale girocard oder Kreditkarte auf sein Smartphone.

 

Herr Dr. Martin, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.




Matomo-Analyse anschalten/ausschalten Nähere Informationen unter Datenschutz

Matomo-Analyse