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Artikel 2017

30.10.2018

Kontaktlos in Prag

In der tschechischen Hauptstadt ist der erste kontaktlose Geldautomat im Einsatz.

In einem Prager Einkaufszentrum testet die tschechische Air Bank einen neuen Geldausgabeautomaten, bei dem die PIN-Eingabe auf einem großen Touchscreen erfolgt. Kann man vielleicht auch bald in Deutschland kontaktlos Bargeld abheben? Wir sprachen hierzu mit Christian Albrecht, Director Business Development bei Diebold Nixdorf.

Herr Albrecht, was macht dieses neue System aus, was ist einzigartig?
Ziel des Systems ist es, durch den schnellen, einfachen und sicheren Zugang zu Bargeld ein besonderes und modernes Kundenerlebnis zu schaffen. Auf den klassischen Kartenleser wird deshalb genauso verzichtet wie auf das PIN-Pad.

Wie funktioniert dieser Geldautomat, was muss der Kunde beachten?
Im konkreten Projekt erfolgt die Identifikation des Kunden über eine NFC-Karte oder einen NFC-Sticker. Der Kunde wählt dann wie gewohnt den gewünschten Betrag auf dem Touchdisplay und bestätigt diesen durch Eingabe seiner PIN auf dem Display.

Der Vorgang ist also nicht vollständig kontaktlos, denn bei der PIN Eingabe muss der Bildschirm ja berührt werden, oder?
Wir sagen dazu auch „Tap-and-PIN", der Vorgang ähnelt dem gewohnten Ablauf einer Geldautomatentransaktion mit dem Unterschied, dass man eine Bezahlkarte mit Kontaktlosfunktion nutzt.
In der nächsten Ausbaustufe erfolgen die Initiierung und die Autorisierung der Transaktion bereits auf dem Smartphone des Kunden. Bargeld bezieht dieser dann ganz einfach mittels Smartphone per NFC oder alternativ per Barcode am Automaten – kurz gesagt „Tap-and-go".

Die Transaktion wird dann mittels eines sicheren Tokens zwischengespeichert, und wenn der Kunde am Geldautomaten ist, finalisiert. So können wir übrigens auch Kassensysteme im Handel in die Lage versetzen, Auszahl- und Einzahltranskationen abzuwickeln.

Welche Voraussetzungen müssen Kunden bzgl. Karte und Smartphone mitbringen, um diesen Geldautomaten zu bedienen? Welche Vorteile bieten sich so dem Kunden?
Im „Tap-and-PIN"-Verfahren nutzt der Kunde seine gewohnte kontaktlosfähige Karte mit der zugehörigen PIN. Wir übertragen das Prinzip des kontaktlosen Zahlens, das der Kunde bereits aus dem Handel kennt, so auch auf den Geldautomaten.
Im Tap-and-go-Verfahren benötigt der Kunde nur noch sein Smartphone und kann sich so über die App seiner Bank bequem mit Bargeld am Geldautomaten versorgen.

Und was sind die Vorteile für das Institut, das diesen Geldautomaten einsetzt?
Transaktionen werden sicherer und schneller durchgeführt. So können in gleicher Zeit mehr Kunden bedient werden. Außerdem zeichnet sich das System durch ein modernes Design aus, das sich nahtlos in innovative Filialkonzepte einfügt.

Wie sind die ersten Erfahrungen in der Praxis, was zeigt sich bei dem Pilotprojekt?
Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend. Auch von der Endkundenseite gibt es viele positive Rückmeldungen. Sowohl was das Design des Systems als auch den Ablauf der Transaktion anbelangt.
Die Geschwindigkeit ist wirklich beeindruckend. Im Tap-and-Go-Verfahren haben wir beispielsweise Transaktionszeiten von grade einmal 13 Sekunden.

Wie sehen Sie die Chancen für einen Einsatz solcher Geldautomaten in Deutschland?
Die Chancen sehe ich als sehr gut an. Auch wenn in Deutschland bestimmte Innovationen teilweise etwas länger dauern, glaube ich, dass wir hier bald die ersten Projekte sehen werden.

Gibt es von Seiten deutscher Institute bereits Interesse?
Wir sprechen mit mehreren Instituten in Deutschland. Wahrscheinlich werden wir hier gleich auch das „Tap-and-go"-Verfahren umsetzen. Erste Projekte können Sie in 2019 erwarten.

Wie sieht es mit der Sicherheit der kontaktlosen Geldautomaten aus?
Fehlerquellen und auch Angriffsmöglichkeiten durch Kartenleser oder PIN-Pad werden auf diese Weise eliminiert, herkömmliche Karten-Skimming und Trapping-Attacken gibt es dann nicht mehr. Ein weiterer wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit am Geldautomaten.

Können Sie etwas zum Thema Kosten sagen, auch im Vergleich zu den „Standard" Geldautomaten?
Die Kosten sind etwas geringer als bei einem „Standard" Geldautomaten. Da die Anschaffungskosten aber nur ca. 10-15% der gesamten TCO (Total Cost of Ownership) ausmachen, sind die Punkte Geschwindigkeit, Sicherheit und das innovative Design viel entscheidender.

Herr Christian Albrecht, wir danken Ihnen herzlich für das Interview!




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