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20.12.2018

Kontaktlos in Dänemark

Erfahrungen bei der Einführung von kontaktlosem Bezahlen.

Auf der diesjährigen Konferenz kartensicherheit.de sprach Majken Bech Thanning, Product Manager Dankort bei Nets, über die sehr erfolgreiche Etablierung des kontaktlosen Bezahlens in Dänemark. Wir fassen für unseren Newsletter noch einmal nach und fragen im Interview nach dem dänischen Erfolgsrezept.

Dankort ist die beliebteste und am weitesten verbreitete inländische Zahlungskarte in Dänemark. Auf 5,5 Millionen Einwohner kommen beeindruckende 5 Millionen Visa/Dankort-Karten mit über 1,3 Milliarden Transaktionen im vergangenen Jahr. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Majken Bech Thanning:
Ich denke, einer der Gründe für den Erfolg ist, dass wir über eine sehr stabile und sichere Infrastruktur verfügen, der sowohl Karteninhaber als auch Händler vertrauen. Dankort ist ein staatlich reguliertes System, das dazu beiträgt, dass die Kosten für Händler niedrig sind. Die nordischen Länder sind die am stärksten digitalisierte Region weltweit. Die Dänen sind traditionell „Early Adopters" von neuen Technologien und haben eine Regierung, deren Politik die weitere Digitalisierung (e-ID-Netzwerke, e-Archivierung usw.) vorantreibt.

In Dänemark haben wir einen sehr hohen Anteil an digitalen Zahlungen und einen geringen Anteil an Barzahlungen, nur etwa 20 Prozent aller Zahlungen sind bar, während es in Deutschland fast 80 Prozent sind. Mitte August 2015 begannen die ersten dänischen Banken mit der Ausgabe von Dankort und Visa/Dankort Karten mit der neuen Kontaktlos-Funktion. Alle Banken in Dänemark unterstützen die Ausgabe dieser Karten, da die Händler inzwischen weitgehend kontaktlose Zahlungen akzeptieren.

Seit der Einführung der Kontaktlos-Funktion auf Dankort Karten überwiegt diese Zahlungsmethode mit mehr als 65 Prozent aller Dankort Zahlungen am POS. Im Allgemeinen liegt die Akzeptanz für Kartenzahlungen bei dänischen Händlern bei fast 100 Prozent. Als Verbraucher können Sie so immer mit Ihrer Karte bezahlen. In der Vergangenheit haben viele Händler Dankort Karten als einzige digitale Zahlungsmethode akzeptiert, was sich nun jedoch ändert. Mittlerweile können Sie mit fast allen Arten von Debit- oder Kreditkarten bei jedem Händler bezahlen. In Dänemark veröffentlicht die Zentralbank alle vier Jahre eine Studie über die gesellschaftlichen Kosten von Zahlverfahren. Demnach ist Bargeld für die Gesellschaft weitaus teurer als Kartenzahlungen.


Ist dieses Verhalten typisch dänisch oder glauben Sie, dass es auch in anderen europäischen Ländern angewendet werden kann?
Auch wenn wir sehr offen für die Einführung neuer Technologien in Skandinavien sind, bin ich zuversichtlich, dass sie auch in anderen Ländern angewendet werden können. Ich denke, es ist wichtig zu wissen, dass Sie sowohl einen Karteninhaber mit kontaktloser Karte als auch einen Händler benötigen, der Kartenzahlungen akzeptiert, um erfolgreich zu sein.

Mehr als 90 Prozent aller Kartenzahlungen mit Dankort erfolgen von kontaktlos fähigen Terminals. Ebenfalls mehr als 80 Prozent aller Dankort- und Visa/Dankort-Zahlungskarten sind bereits mit Kontaktlos-Funktion ausgegeben, die restlichen Karten werden in den kommenden Jahren schrittweise ausgetauscht. Sie müssen sich darauf konzentrieren, sowohl den Händlern als auch den Verbrauchern zu erklären, warum Kartenzahlung eine gute Idee ist.

Nets sieht große Chancen bei der Etablierung einer europäischen Präsenz und Wachstumsmöglichkeiten außerhalb der nordischen Länder. Wir sind dabei, uns mit einigen Unternehmen in Polen und Deutschland zusammenzuschließen, zum Beispiel mit Concardis, das wahrscheinlich für seine Handelsdienstleistungen bekannt ist. Wir gehen davon aus, dass wir unsere europäische Position zukünftig weiter ausbauen werden.


In Ihrem Vortrag auf der Konferenz kartensicherheit.de im September 2018 sprachen Sie von einem sehr intensiven Stakeholder-Management. Was haben Sie dort unternommen?
Das stimmt. Für eine erfolgreiche Einführung des kontaktlosen Zahlungsverkehrs für Dankort war das Stakeholder-Management eine wichtige Aufgabe.

Kartenemittenten
So haben wir mit den Kartenemittenten die Risikoparameter des Produktes abgebildet: Wie viel sollten Verbraucher beispielsweise ohne Verwendung ihres PIN-Codes bezahlen können (ein bestimmter Maximalbetrag oder eine vorgegebene Transaktionszahl)?

Treibende Faktoren für Kartenemittenten waren die Implementierung der neuen Technologie, die Reduzierung des Kartenaustauschs aufgrund defekter EMV-Chips (die Chips werden häufig bei der Benutzung von Kartenlesern beschädigt) und wir glaubten, dass kontaktlose Zahlungen in einigen Fällen sicherer seien als eine normale Chip- und PIN-Transaktion.

Auf Ihrer Konferenz habe ich erwähnt, dass PIN-Diebstahl durch Schulterblick (shoulder surfing) und Geldautomatenbetrug hier in Dänemark ein Problem sind, aber wenn Sie Ihre PIN beim Bezahlen nicht verwenden, geben Sie auch nicht Ihre PIN preis. In den letzten zwei Jahren sind mit Zunahme der kontaktlosen Zahlungen die Betrugsraten im Bereich PIN-Diebstahl entsprechend zurückgegangen.

Händler
Den Händlern haben wir mitgeteilt, dass kontaktlose Zahlungen schneller sind als normale Chip- und PIN-Transaktionen, was geringere Warteschlangen bedeutet.

Verbraucherschutz
Mit dem dänischen Verbraucherschutz gab es ebenfalls ein Treffen, um die neue Technologie vorzustellen und über die Risikoparameter des Produktes zu informieren. Dabei konnten die Verbraucherschützer Fragen stellen und Bedenken äußern.

Verbraucher und Social Media
Die Kartenherausgeber standen im Dialog mit ihren Karteninhabern, zusätzlich haben wir eine Dankort Facebook-Seite eingerichtet, um auf alle Bedenken der Verbraucher eingehen zu können.

Presse
Wir haben die Presse eingeladen, sich über die neue Funktion zu informieren und Fragen zu stellen.

Polizei
Ebenso haben wir die neue Funktion der dänischen Polizei vorgestellt und über die Möglichkeit gesprochen, dass Ausspähen und Stehlen der PIN durch Schulterblick bei Nichtverwendung der PIN zu reduzieren. Mittlerweile empfiehlt die dänische Polizei regelmäßig, dass Menschen kontaktlos bezahlen, da sie dadurch weniger anfällig für Betrug sind.

Organisationen für Senioren
Außerdem haben wir mit Organisationen für ältere Menschen darüber gesprochen, warum man digitale Zahlungen anstelle von Bargeld verwenden sollte, um so das Risiko von Raub zu verringern. Und wir haben ihnen die Tatsache erklärt, dass verlorenes Geld weg ist, bei Kartenbetrug aber zumeist der Schaden erstattet wird.

 

Gab es in der dänischen Bevölkerung Skepsis gegenüber dem kontaktlosen Bezahlen? Und wie sind Sie mit den Bedenken umgegangen? Wie konnten sie reduziert werden?
Ja, es gab Mythen, und wie ich bereits erwähnt habe, haben wir viel getan, um auf die Bedenken einzugehen. Eine davon war, dass man Kartendaten mit einem Kartenleser auslesen kann. Unsere Antwort dazu war: Ja, Daten können ausspioniert werden. Aber können die Daten, die die Täter erhalten, tatsächlich verwenden? Es ist nicht möglich, mit diesen Daten eine Kartendublette zu erstellen. Ebenfalls können sie mit den ausgelesenen Daten nicht im Internet einkaufen, denn dazu wird die Kartenprüfnummer (cvv/cvc) benötigt, die nicht ausgelesen werden kann.

Ein weiterer Mythos war, dass jemand einfach mit einem Terminal an Ihnen vorbeigehen und eine Transaktion durchführen könne. Ja, aber denken Sie daran, dass Geld aus einer Kartentransaktion auf ein Bankkonto eingeht und die Banken verpflichtet sind, ihre Kunden zu legitimieren und somit ihre Daten kennen. Ich glaube nicht, dass dies für einen Betrüger interessant ist, da es zu viel Mühe kostet, ständig neue Konten einzurichten, damit dieser Betrug funktioniert.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Kartenbetrug bei kontaktlosen Zahlungen gemacht?
Eins ist sicher, Karten mit Kontaktlos-Funktion sind nicht stärker betrugsanfällig als Karten ohne. Und wenn wir uns konkrete Betrugszahlen bei kontaktlosen Transaktionen ohne PIN ansehen, ist dies aufgrund des geringen Betrags, den Täter verwenden können, nicht interessant. Wir sehen, dass das Betrugsvolumen bei kontaktlosen Transaktionen ohne PIN bei rund 2.000 Euro pro Monat liegt. Bei einem Gesamtvolumen von vier Milliarden Euro pro Monat ist dieser Schaden extrem niedrig.

 

Glauben Sie, dass kontaktloses Bezahlen zu mehr Sicherheit im Zahlungsverkehr beiträgt?
Ja, wie ich bereits erwähnt habe, ist Geldautomatenbetrug in Dänemark ein Thema. Aber dafür braucht man die PIN. Wenn Sie überall kontaktlos bezahlen, geben Sie Ihre PIN weniger preis.


Frau Bech Thanning, vielen Dank für das Gespräch!




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