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27.09.2018

Bargeldlos in Schweden

Was können wir aus den Erfahrungen in unserem europäischen Nachbarland lernen?

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Laden und wollen Ihr Mitbringsel aus Stockholm bezahlen. Der Verkäufer sieht den Geldschein und sagt: „Wir akzeptieren hier kein Bargeld..."

Nicht möglich? In Schweden schon! Aber der Reihe nach.

Schweden plant, bis März 2023 die erste bargeldlose Gesellschaft der Welt zu werden. Das bedeutet, dass Bargeld in Schweden kein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel mehr sein könnte.

Jonas Hedman, außerordentlicher Professor in der Abteilung für Digitalisierung der Copenhagen Business School, glaubt, dass es unvermeidlich ist, bargeldlos zu werden, nicht nur für Schweden, sondern auch für andere Länder. In einem Gespräch mit Knowledge@Wharton sprach Hedman über Schwedens Weg zu einer bargeldlosen Gesellschaft, die Auswirkungen auf den Rest der Welt und die daraus zu ziehenden Lehren. Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammen.

 

Schwedens Weg in eine bargeldlose Gesellschaft wird von verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel einem robusten Kartenzahlungssystem, einer starken Internet-Infrastruktur, einer einheitlichen und beliebten mobilen Zahlungsapplikation, einem unterstützenden Rechtsrahmen sowie einem kulturellen Misstrauen gegenüber Bargeld getragen.

Im Rahmen einer Umfrage hat das Team von Professor Hedman 750 schwedische Einzelhändler befragt. Dabei wurde festgestellt, dass es kostspieliger wird, Bargeld zu verwalten, wenn der Bargeldverkehr unter sieben Prozent des gesamten Zahlungsverkehrs fällt. Hedmans Fazit: In diesem Fall sollte ein wirtschaftlich vernünftiges Einzelhandelsmanagement die Annahme von Bargeld einstellen.

Und genau das passiert zurzeit in Teilen des schwedischen Einzelhandels: Immer mehr Händler haben bereits im Eingangsbereich ein Schild, das darauf hinweist, dass im Geschäft kein Bargeld akzeptiert wird. Diese Vorgehensweise ist aufgrund der speziellen Gesetze in Schweden möglich. In vielen anderen Ländern haben Zahlungsgesetze einen höheren Stellenwert als das Vertragsrecht. In diesen Ländern muss ein Geschäft in jedem Fall Bargeld akzeptieren.

 

Gefragt nach den Schlüsselfaktoren für Schwedens Erfolg auf dem Weg in eine bargeldlose Gesellschaft, nennt Hedman unter anderem die weit verbreitete Einführung von Zahlungskarten bereits in den 1950er Jahren, die Digitalisierung von Bankkonten seit den 1960er Jahren und den Aufbau der Internet-Infrastruktur und des Internet-Bankings Mitte der 1990er Jahre.

Großen Einfluss hatte auch eine Flut von Raubüberfällen, die dazu führten, dass die Gewerkschaften verschiedener Organisationen wie Bankmitarbeiter, Busfahrer, Taxifahrer und andere auf eine bargeldlose Gesellschaft drängten, um ihre Mitglieder zu schützen. Im Jahr 2007 führte die Regierung dann Steuererleichterungen für häusliche Dienstleistungen wie Heimreparaturen, Babysitting, Wäscherei und so weiter ein und reduzierte so die Schwarzarbeit. Dies bedeutete, dass die Menschen kein Bargeld aufbewahren mussten, um für diese Dienstleistungen zu bezahlen und führte zu einem dramatischen Rückgang des Bargeldbedarfs.

 

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die zentrale Zahlungs-App Swish, die 2012 von einer Gruppe schwedischer Banken zusammen mit der Zentralbank eingeführt wurde. Aus der Sicht von Professor Hedman ist der Übergang zu einer bargeldlosen Gesellschaft unvermeidlich: „Es ist etwas, das wir nicht aufhalten können. Leider. Oder Gott sei Dank. Ich weiß es nicht."

Das komplette Interview finden Sie hier.




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