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27.04.2016

Regulatorik/ Fintech/ PSD II… und was hat das mit Zahlungsverkehr zu tun?

Ein Gastbeitrag von Matthias Hönisch, Leiter des Bereichs Karten beim BVR.

„Die Banken sind im Umbruch“, „Banking ist notwendig, Banken nicht“: das sind einige Schlagzeilen, die derzeit auf Messen und Fintech-Veranstaltungen zu hören sind. Bei genauerer Betrachtung ist dies jedoch seit über 15 Jahren ein Thema. Fintech scheint das Schlagwort der Zeit zu sein.

In der Tat gibt es interessante Ansätze, aus denen Banken von Fintechs lernen können und müssen, wie Kundenbedürfnisse besser bedient werden sollten. Die Banken sollten sich dem Thema stellen, und immer mehr Banken scheinen ja auch die Augen vor der Realität nicht mehr zu verschließen. Allerdings ist Fintech letztlich nichts Neues, da Banken bereits in der Vergangenheit solche Unternehmen gekauft bzw. mit ihnen kooperiert haben, wie zum Beispiel Star Finanz bei den Sparkassen. Warum greifen nun die Fintechs gerade im Zahlungsverkehr an, der doch in den vergangenen Jahren als langweilig galt?

Der Zahlungsverkehr

  • ist ein täglicher Kontaktpunkt mit den Kunden, weshalb das Bezahlen mit dem Smartphone zum Beispiel durch Fintechs vorangetrieben wird. Hier drohen die Banken ihre Vermittlerrolle im Finanzsystem zu verlieren.
  • hat das Potential, in das Thema Big Data einzuzahlen - allerdings mit möglicherweise neuen Erlösmodellen zumeist für Nicht-Banken - was einfach zu sein scheint. Hier mussten jedoch in der jüngsten Vergangenheit einige Unternehmen Lehrgeld bezahlen, da sie nicht ausreichend verstanden hatten, dass sich Kundenbedürfnisse bislang nur eher langsam ändern und die Regulierungsdichte im Finanzbereich hoch ist.

Zudem ist vermutlich die größte Herausforderung für Banken nicht das sich verändernde Kundenverhalten, sondern die Regulierung. Allein aufgrund der MIF-Verordnung (ab Dezember 2015) gehen den deutschen Kreditinstituten auf der Erlösseite ca. 463 Mio. € Erlöse pro Jahr verloren [1].

Einen deutlich größeren Einfluss als die MIF-Verordnung wird dann die EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 haben, die ab 2018 in Kraft treten wird. Hierbei geht es darum, dass die von einer Bank bereitgestellte und finanzierte Infrastruktur des Online Bankings anderen (dritten) Zahlungsdienstleistern preisfrei zugänglich gemacht werden muss.

Fintech-Dienste, die zum Beispiel einen Kontoalarm bieten, könnten möglicherweise auch dazu führen, dass das Bankkonto wieder mehr in den Mittelpunkt des Verbraucherinteresses rückt – noch dazu, wenn der Service als ein „Bankservice“ wahrgenommen wird. Insofern könnten sich durch Fintechs den Banken auch gute Chancen bieten.

Falls künftig weniger der (menschliche) Kunde die Schnittstelle zur Bank bedient, sondern ein durch eine Maschine gesteuerter Fintech-Service agiert, entstehen durch die Datenabfragen bei der kontoführenden Bank auch mehr Kosten.

Was sollen Banken tun? Banken sollten sich überlegen, ob man sich auf die Rolle des Abwicklers reduzieren lassen will. Sie sollten überlegen, ob man den Kunden selber gute Lösungen anbieten möchte, sei es eigen- oder fremdentwickelt, damit ihre Marke im Bewusstsein der Kunden verankert bleibt. Auch daher sind für Banken Innovationen im Zahlungsverkehr, wie aktuell Paydirekt oder girocard kontaktlos, so wichtig. Zudem müssen sich Banken den Herausforderungen auf der IT-Infrastrukturseite (‚Authentikation als Schlüssel zum Konto‘) stellen: kundenfreundliche und sichere Authentikation ist ein Schlüssel zum Erfolg.

[1] PaySys für das Jahr 2014
Matthias Hönisch ist Leiter des Bereichs Karten  beim BVR, dem Spitzenverband der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Er ist in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) für das Thema girocard mitverantwortlich. Zudem vertritt er die DK in der Cards Working Group beim EPC (European Payments Council). Zuvor war er unter anderem bei PayPal International verantwortlich für den Zahlungsverkehr (Zentral-Europa) und das Kartengeschäft (eBay-Kreditkarte).