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23.03.2016

Interview zum Thema Geldautomatensprengungen: "Die Institute erhöhen die Sicherheitsmaßnahmen"

Wie kartensicherheit.de bereits im Herbst letzten Jahres berichtete, häufen sich die physischen Angriffe auf Geldautomaten in Deutschland. kartensicherheit.de sprach mit Jörg Bernhauer, Abteilungsdirektor Retail Banking, Banktechnologie beim Bundesverband deutscher Banken e.V. in Berlin, über die jüngsten Erkenntnisse und die von den Geldautomatenbetreibern kontinuierlich eingeleiteten Sicherheitsmaßnahmen.

kartensicherheit.de: Herr Bernhauer, nach der Serie von Geldautomatensprengungen werden die Institute aktiv. Doch wie rüsten Banken und Sparkassen ihre Geldautomaten gegen Sprengattacken auf oder nach?
Jörg Bernhauer: Welche Maßnahmen in welcher Form eingesetzt werden, hängt von der jeweiligen standortbezogenen Risiko- und Gefährdungssituation ab und obliegt letztendlich der jeweiligen Bank oder Sparkasse.

Können Sie eine Schätzung abgeben, was die Maßnahmen die deutsche Kreditwirtschaft bisher insgesamt gekostet haben?
Einmal- und Folgekosten sind je nach Gerätetyp sehr unterschiedlich und können nicht pauschal beziffert werden. Für eine seriöse Schätzung liegen uns keine ausreichenden Informationen vor.

Was halten Sie davon, dass besonders gefährdete Standorte ganz oder zumindest nachts geschlossen werden?
Um Angriffen auf Geldautomaten bereits im Vorfeld vorbeugen zu können, bedarf es weiterführender flankierender Maßnahmen. Das kann auch bedeuten, besonders gefährdete Standorte zur Nachtzeit zu schließen, was dann zwar zu Lasten des Komforts der Kunden, aber zu Gunsten ihrer Sicherheit geht. Die Entscheidung über den Standort, die Dauer und den Umfang dieser Maßnahme obliegt der jeweiligen Bank oder Sparkasse. Eine einheitliche Vorgabe kann es dazu nicht geben.

Werden den Kunden die Gebühren beim Geldabheben an fremden Automaten erstattet oder erlassen?
Das jeweilige Vorgehen liegt in der Entscheidungshoheit der Kreditinstitute.

Wie will die deutsche Kreditwirtschaft die Geldautomaten in Zukunft besser schützen?
Weitere Maßnahmen zur sicherheitstechnischen Ausstattung werden in der Kreditwirtschaft fortlaufend diskutiert, wobei die notwendigen Anforderungen für den Schutz von Menschen und Gebäuden sowie der Versicherungsträger zu berücksichtigen sind. Neben den zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen sowie Anpassungen in den Organisationsabläufen der Institute der Deutschen Kreditwirtschaft ist die grenzübergreifende Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden zwingend notwendig. Weitere Fahndungserfolge der Polizei und hoher Verfolgungsdruck sind entscheidend für den Schutz vor diesen zumeist international agierenden Tätergruppen. Die Banken und Sparkassen stehen daher in engem Kontakt und Austausch mit den staatlichen Behörden, ob national, regional oder lokal.

Wie hoch sind denn die Schäden in 2015 ausgefallen?
Für eine seriöse Schätzung für die gesamte Deutsche Kreditwirtschaft liegen uns keine ausreichenden Informationen vor.

Liegen Ihnen Informationen vor, welche Institute von der Angriffswelle besonders betroffen sind?
Die häufig international agierenden Tätergruppen wählen grenznah und ländlich gelegene Standorte mit guten Fluchtwegen und geringer Polizeipräsenz. Die Sprengungen betreffen daher insbesondere Filialbanken mit einem stark ausgebauten Geldautomatennetz.

Wie ist die Einstellung der deutschen Kreditwirtschaft hinsichtlich des Einsatzes von Farbkartuschen, die die Banknoten im Angriffsfall unbrauchbar machen?
Die deutschen Banken und Sparkassen stimmen ihre Präventiv- und Sicherheitsmaßnahmen immer auf die individuelle Gefährdungssituation des jeweiligen Standorts ab. Dabei setzen die Institute auch Spezial-Technologien zum Schutz von Geldautomaten ein. Doch leider zeigt die Historie, dass sich kriminelle Banden von diesen Sicherheitsvorkehrungen nicht immer abschrecken lassen. Selbstverständlich werden teilweise auch bereits bestehende Geldautomaten nachgerüstet, um sie gezielt vor Gasangriffen zu schützen. Ein in diesem Zusammenhang diskutiertes pauschaliertes Sicherheitskonzept für alle Banken und Sparkassen erscheint aufgrund der individuellen Gefährdungslage der unterschiedlichen Standorte jedoch nicht zielführend und sinnvoll.

Wie funktionieren energieabsorbierende Module?
Hierbei reduzieren eine Kombination aus energieabsorbierenden Modulen im Innenbereich des Tresors den Druck der Explosionswelle. In Kombination mit der zusätzlichen Verstärkung bestimmter Baugruppen des Geldautomaten kann dadurch eine Öffnung verhindert werden.

Herr Bernhauer, herzlichen Dank für das Gespräch.




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