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20.12.2016

Interview mit Matthias Hönisch, BVR: „Instant Payment ist die Chance, Banken wieder in eine Pole Position zu bringen – wenn sie es richtig machen.“

Bezahlungen per Smartphone in Echtzeit – das versprechen Instant Payments. Nach der Verabschiedung des Regelwerks für Echtzeitzahlungen sollen Instant Payments bis Ende 2017 in Deutschland und in weiteren 34 SEPA-Ländern eingeführt sein. Wir sprachen mit Matthias Hönisch, Head of Cards beim BVR, über die Planungen und Erfolgsfaktoren bei der Einführung von Instant Payment. 


kartensicherheit.de: Herr Hönisch, was sind Instant Payments, und was macht sie zu Echtzeitzahlungen?
Matthias Hönisch: Der European Payment Council (EPC) hat im November 2016 das Rulebook für das sogenannte SCT INST-Scheme (SCT = SEPA Credit Transfer) von Echtzeit-Überweisungen herausgeben. Hierin ist beschrieben, wie Überweisungen noch schneller als bislang, nämlich in wenigen Sekunden, abgewickelt werden können. Der Rahmen des Regelwerks hat folgende Eckdaten:

  • Der Zahlungsempfänger verfügt über Geldbeträge in max. zehn Sekunden (damit wird eine Zahlungsgarantie für den Zahlungsempfänger obsolet).
  • Das Angebot soll rund um die Uhr bestehen (24 Stunden, 365 Tage).
  • Die Überweisungen erfolgen in Euro innerhalb des SEPA-Gebietes.
  • Zum Start gibt es eine Betragsgrenze von 15.000 Euro.
  • Das Verfahren ist für Verbraucher, aber auch Geschäfts- und Firmenkunden nutzbar.


Wie beurteilen Sie die regulatorischen Anforderungen für Instant Payments?
Wie so häufig scheinen die größten Anforderungen regulatorischer Art zu sein. Hier sind zumindest drei Bereiche zu nennen:

  1. Geldwäsche: Zunächst müssen die Anforderungen in Bezug auf Prüfung von Geldwäsche und Embargolisten (von einem Wirtschaftsembargo betrofffene Länder bzw. Organistionen) quasi in Echtzeit erfüllt werden.
  2. Verfügbarkeiten: Dann müssen die personellen und technischen Verfügbarkeiten innerhalb der Banken und Banksysteme angepasst werden, denn Instant Payment muss auch zum Karneval, zu Weihnachten und am Neujahrstag rund um die Uhr funktionieren, und das deutschland- und europaweit!
  3. Authentikation: Wir werden den Kunden eine einfache/re Zwei-Faktor-Authentikation anbieten, denn Banken werden die sogenannte starke Kundenauthentikation als Standard vorgeben (müssen).


Sind die deutschen Institute in technischer Hinsicht auf Instant Payments vorbereitet?

Die deutschen Banken und Sparkassen haben bislang alle wesentlichen IT-Großprojekte erfolgreich eingeführt: Hier sei nur daran erinnert, dass wir gemeinsam den EURO eingeführt, fast 18 Milliarden jährliche Zahlungen auf das SEPA Format migriert oder jüngst das SCC-Format für alle Kartenzahlungen in Deutschland eingeführt haben. Insofern bin ich zuversichtlich, dass wir auch das schaffen werden.

Was sind die größten Herausforderungen für die deutschen Institute bei der Umsetzung von Instant Payments?
Neben den regulatorischen Anforderungen wird die Herausforderung sein, das Denken in den Banken zu verändern. Payment wird nicht mehr ‚nur‘ ‚Infrastruktur oder Prozess‘ sein; Instant Payment wird Teil eines Produktes sein, das die Bank zur Verfügung stellt. Daher liegt in der Herausforderung aber auch die größte Chance für die Banken.

Wer profitiert am meisten von Instant Payments? Verbraucher, Händler oder die Institute?
Am Ende werden die Kunden – Handel und Verbraucher – am meisten profitieren.

Der Handel wird aus zwei Gründen profitieren:

  1. Er wird das Geld früher bekommen und
  2. es wird viel einfacher sein, dass die Buchungen und Zahlungseingänge schneller in seinen Systemen abgeglichen werden können.

Aber auch der Verbraucher wird profitieren, da Buchungen, sei es Gutschrifts- oder Laschriftsbuchungen, schneller sichtbar werden - das hilft der Transparenz.

Wir denken, dass es besonders Auswirkungen im eCommerce-Geschäft geben wird, da der Händler die Zahlungen tatsächlich ‚instant‘ erhält und nicht ‚nur‘ eine Garantie oder eine ‚instant payment notification‘.

Die Auswirkungen auf Zahlungen am ‚realen POS‘ werden eher begrenzt sein, da sich hier das Kundenverhalten langsamer ändert und die Händler bereits heute die Zahlungen in Sekundenschnelle abwickeln können.

Wie können sich die Institute gewinnbringend positionieren?
Banken sind Dienstleister ihrer Kunden, und zwar auf beiden Seiten‘ der Wertschöpfungskette. Auf der Seite des Handels und der des Verbrauchers. Hier können Banken den Service anbieten und sich am Markt positionieren.
Vermutlich wird sich mit Instant Payment der Bedarf an Intermediären verändern: Das wirkt sich positiv auf die Prozesskosten und die Geschwindigkeit beim Zahlen und damit letztlich für Kunden und auch Banken aus.

Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Instant Payment bis Ende nächsten Jahres in Deutschland Wirklichkeit wird? Wovon hängt dies maßgeblich ab?
Das Euro-System hat angekündigt, bei TARGET2 die Verrechnung von „Echtzeit“-Überweisungen vermutlich ab November 2017 zu unterstützen. Ich vermute, dass wir ab 2018 Instant Payment am Markt sehen werden – und wir freuen uns darauf.

Herr Hönisch, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch.

*Der BVR ist der Spitzenverband der genossenschaftlichen Kreditwirtschaft in Deutschland. Mitglieder sind alle Genossenschaftsbanken. https://www.bvr.de/de