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30.04.2015

Gastbeitrag: Status Mobile&Online Payment in Deutschland – Erst unterentwickelt, jetzt überfüllt

Mobile Payment

In Deutschland versuchen sich seit geraumer Zeit etliche Unternehmen am Thema Online- und Mobile Payment. So hat sich die Zahl der (mobilen) Wallet-Verfahren innerhalb eines Jahres von knapp über 20 auf über 40 erhöht. Auf einen wirklichen Durchbruch darf man auch noch in Deutschland warten. Jochen Siegert, Partner und Geschäftsführer beim Fintech Inkubator FinLeap, nimmt in seinem Gastbeitrag eine aktuelle Bestandsaufnahme vor. 

Die oftmals sehr ähnlichen Modelle der vielen Anbieter stehen sich meist selbst im Weg:

1. Fehlende wirkliche Differenzierung im Produkt
Die Anbieter sind jeweils häufig nur Kopien des Marktführers PayPal, ohne wirklich nachhaltige neue Impulse anzubieten. Man schaue nur, wie oft der Name PayPal in der Matrix der Anbieter erscheint.

2. Die Anbieter blockieren sich gegenseitig
Die Masse des Handels wird vor Investitionsentscheidungen abwarten, bis eine Konsolidierung eingesetzt hat. Den Angreifern geht dadurch wertvolle Zeit verloren.

3. Jeder glaubt, es alleine besser machen zu können
Alle Anbieter mit etablierten Kundenbeziehungen glauben, mit eigenen Lösungen erfolgreicher zu sein, die jeweils nur für die eigene Kundenbasis funktioniert. Oft stellen diese Kunden aber nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes dar. Nur durch gemeinsame Lösungen haben Anbieter überhaupt eine Chance. Jeweils alleine kämpft man auf verlorenem Posten. Endkundenakquise ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, wird traditionell massiv unterschätzt und durch die Fragmentierung der Anbieter noch unnötig erschwert.

4. Fehlende oder nur geringe Produkt Value Proposition
Insbesondere bei den Versuchen, im stationären Handel aktiv zu werden, ist häufig ein viel zu technikverliebtes Vorgehen der Anbieter festzustellen. Warum soll ein Kunde mit NFC oder QR-Code an der Ladenkasse zahlen statt mit Karte? Hier liegt keine wirkliche Beschleunigung des Prozesses vor. Im Gegenteil, es dauert länger für die Entsperrung des Smartphones, Öffnung, Entsperrung und Nutzung der App. Warum sollen Kunden im Massenmarkt damit zahlen, wenn es mit Karte einfacher und schneller geht?

Im reinen Onlinehandel kann man mit der x-ten Kopie des 16 Jahre alten Geschäftsmodells von PayPal auch kaum noch Kunden und Handel begeistern. Gleichzeitig ist es fast unmöglich, den Marktführer mit einem „Me-Too-Produkt“ ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Hier braucht es neue Konzepte und neue Ideen, die von anderen Start-ups, abseits des Wallet-Konzepts, bereits im Markt erprobt werden.

Eisernes Schweigen zu den Zahlen anderer Mobile Payment Anbieter
Viele der Paymentanbieter sind sehr aktiv auf Kongressen und via Pressemitteilungen. Echte, belastbare Kunden-, Umsatz- und Transaktionszahlen werden bislang von den meisten Anbietern (bewusst?) nicht kommuniziert.
Es gibt jedoch Möglichkeiten der Näherung über öffentlich verfügbare Daten Transparenz herzustellen. Ein starker Indikator der Nutzung/Kundenzahl ist die profane Anzahl der Besucher auf den jeweiligen Web-Seiten der Anbieter.

Sämtliche Zahlen sind leider nur Näherungen und stimmen vermutlich nur indikativ. Mangels transparenter Zahlenkommunikation der Anbieter gibt es derzeit kaum einen anderen Weg, die tatsächliche Größe der Verfahren abzuleiten. Die Zurückhaltung der Anbieter liegt vermutlich auch in den schlechten Nutzerzahlen, da sonst ja eine durchaus aktive PR-Strategie verfolgt wird.

PayPal Deutschland bereits mit 26 Millionen aktiven Nutzern?
Laut Analyse-Tool wurden im Dezember 2014 425 Millionen Nutzer auf der PayPal-Webseite verzeichnet (Web und Payment), davon knapp 6% aus Deutschland – was 26,3 Millionen Nutzer bedeutet – die offiziellen PayPal-Zahlen (aus dem Jahr 2013) sind 16 Millionen aktive Nutzer in Deutschland. Die deutlich höheren Zugriffszahlen belegen, dass PayPal in Deutschland vermutlich zwischenzeitlich weiter stark gewachsen ist und deutlich über 20 Millionen aktive Nutzer hat.

Yapital bislang sehr schwach auf der Endkundenseite
Trotz beeindruckender Offline-Akzeptanz, die in kurzer Zeit geschaffen wurde, fanden im Dezember gerade mal 44.000 Besucher den Weg auf die Yapital-Seite. Noch interessanter ist die Tatsache, dass die Subseite zum Login nur von 13% der Nutzer angesprochen wurde. Eine einfache Berechnung ergibt, dass die Yapital Payment API im wichtigen Weihnachtsgeschäft nur von knapp 6.000 Kunden genutzt wurde. Stimmt diese Näherung, hat sich Yapital von der Kundenbasis im März 2014 nicht nennenswert weiter entwickelt und ist vom selbst gesteckten Ziel, von 1 Millionen Kunden bis Mitte 2015, extrem weit entfernt.

VISA v.me mit bislang wenig Beachtung in Europa
Während VISA International außerhalb Europas das Produkt komplett eingestellt hat, vermarktet es Visa in Europa weiter. Abgesehen vom kuriosen Ansatz, ein rein regionales Produkt für das grenzenlose Internet anzubieten, scheint sich auch sonst kein Erfolg einzustellen. Von 460.000 Besuchern der v.me Website kamen im Dezember alleine 83% aus Nordamerika, wo das Produkt lange eingestellt ist. In Europa scheint das Interesse und somit die Nutzung extrem überschaubar.

Mpass mit überschaubarem Markterfolg
Das mobile Payment-Verfahren der deutschen Mobilfunkanbieter, welches in letzter Zeit nur noch von O2 vermarktet wurde, verzeichnete 65.000 Website-Besucher im Dezember. Bei knapp 120 Millionen deutschen Mobilfunkkunden im gleichen Zeitraum ist das auch nur eine überschaubare Traktion des Verfahrens bei den Kunden.

Click&Buy verzeichnet nur marginalen Marktanteil
Last but not least Click&Buy, dem Online-Zahlverfahren der Deutschen Telekom: Click&Buy hatte im Dezember 440.000 Besucher, davon 52% aus Deutschland und 16% nutzen die Payment-API. Stimmen die Zahlen, hatte Click&Buy im Dezember 70.000 aktive Kunden – die letzte offiziell kommunizierte PR-Kundenzahl liegt bei 14 Millionen aktiv und inaktiv.

Fazit – weniger Technik, mehr Kundenorientierung
Am Ende des Tages zählt im Netzwerkmarkt Zahlungsverkehr nur eines: Gewinnt ein Verfahren Traktion bei Kunden und kann es nennenswert Umsätze nachweisen oder nicht. Während es eine Vielzahl von Anbietern gibt, konnte sich im Online-Zahlungsverkehr bislang nur PayPal durchsetzen. Im stationären Handel konnte sich kein Anbieter, auch nicht PayPal, bislang aus dem „Experimentierstadium“ herausarbeiten. Hier fehlen offensichtlich noch die notwendigen Antworten der Anbieter auf die Probleme der Kunden, die mit Bargeld und Plastikkarte offensichtlich sehr zufrieden sind.




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